Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

186  Zweiter  Teil.  Lande!.  VIII.  Der  Wettbewerb  im  Lande!  re.

Zum  Schutze  des  seßhaften  Landels  ist  der  Detailreisehandel  ebenfalls  durch  die
Gewerbeordnung  gewissen  Beschränkungen  unterworfen.  Zum  Schutze  des  Detailreisehandels ­
  andererseits  hat  sich  ein  Zentralverband  gebildet,  der  seinen  Sitz  in  Bielefeld
hat,  jedoch  mit  seiner  Tätigkeit  wenig  an  die  Öffentlichkeit  getreten  ist.

8.  Gibt  es  eine  Notlage  des  Kleinhandels?
Von  Otto  Frh.  v.  Bönigk.

v.  Bönigk,  Gibt  es  eine  Notlage  des  Kleinhandels?  Zn:  Monatsschrift  für  Handel,
Industrie  und  Schiffahrt,  Herausgeber:  v.  Bönigk.  Halberstadt,  Verlag  der  Handelskammer,
M-t-  S.  VH—  *03.
Wenn  man  die  Frage  in  dieser  Allgemeinheit  stellt,  so  ist  sie  ztveifellos  zu  verneinen, ­
  denn  der  Detailhandel,  soweit  er  große  Warenhäuser  oder  große  Konsumvereine
und  Filialgeschäfte  umfaßt,  klagt  keineswegs  über  die  Üngunst  der  Zeiten.  Im  Gegenteil ­
  erweisen  die  oft  recht  beträchtlichen  Erweiterungsbauten  und  Neugründungen  von
Warenhäusern,  die  weiteren  Eröffnungen  von  Filialen  gewisser  Geschäfte  klar,  daß  wir
es  hier  mit  Betrieben  zu  tun  haben,  die  allen  Grund  haben,  mit  dem  Ertrage  ihrer
Tätigkeit  zufrieden  zu  sein.  Der  Kreis,  auf  den  sich  die  beweglichen  Klagen  über  die
„Notlage  des  Detailhandels"  beziehen,  umfaßt  daher  nur  einen  Teil  desselben,  den
ich  kurz  mit  dem  Worte  „Klein-Detailhandel"  bezeichnen  will,  im  Gegensatz  zum
„Groß-Detailhandel",  der  in  den  Warenhauspalästen  und  in  den  großen  Spezialhäusern
  der  Konfektionsbranche  seine  bekanntesten  Vertreter  findet.  Allerdings  sind
keineswegs  alle  Betriebe  des  Klein-Detailhandels  gleichmäßig  in  mißlichen  Verhältnissen,
aber  man  wird  doch  im  allgemeinen  nicht  irregehen,  wenn  man  sagt,  daß  die  Klagen
sich  ausschließlich  auf  den  Klein-Detailhandel  beziehen.
Prüft  man  dieselben  nun  näher,  so  ergibt  sich  bald,  daß  die  persönlichen
Erfahrungen  des  einzelnen  Klein-Detaillisten  ihn  zu  einer  starken  Überschätzung  der
jener  „Notlage"  zugrunde  liegenden  einzelnen  Erscheinungen  führen.  Bei  dem  einen
sind  die  Detailreisenden  aus  den  Großstädten,  beim  anderen  die  Einschränkungen
des  Detailreisens,  beim  dritten  die  Wanderlager,  beim  vierten  die  Ausverkäufe,  die
Konsumvereine,  Warenhäuser  usw.  an  allem  schuld.  Wenige  aber  erkennen,  daß  dies
alles  nur  verschiedene  Äußerungsformen  jener  einen  treibenden  Kraft  sind,  welche  die
gesamte  Konsumentenversorgung  in  veränderte  Bahnen  treibt.  Jene  Einzelerscheinungen
sind  allerdings  nicht  unwichtig,  wie  die  Wirkungen  des  Anlauterkeitsgesetzes,  der
Nahrungsmittelgesetzgebung,  der  Bestimmungen  über  die  Auktionen  usw.  deutlich  dartun, ­
  weil  sie  das  sittliche  Kleid  der  Volkswirtschaft  ausbessern,  welches  die  lästigen
Auswüchse  der  Gewerbefreiheit  zerrissen  hatten,  —  aber  diese  Flickarbeit  darf  nicht
mit  so  viel  Lärm  und  Überschätzung  verbunden  werden,  daß  man  das  Geräusch  des
rastlosen  Webstuhls  nicht  hört,  an  welchem  die  Zeit  ein  neues  Kleid  für  den  Detail-Handel,
  für  die  Konsumentenversorgung  webt.
Gerade  aber  darin,  daß  diese  Webearbeit  vor  sich  geht  und  schon  recht  weit
gediehen  ist,  liegt  das  Geheimnis  der  sogenannten  Detailhandelsfrage.  Das  wird  sofort
klar,  wenn  man  den  einzelnen  eigenartigen  Fäden  des  Gewebes  zu  folgen  sucht,  wenn
man  also  den  ünterschiedcn  nachspürt,  welche  sich  zwischen  der  früheren  Art  der
Konsumentenversorgung  und  der  jetzigen  Methode  ergeben.  Natürlich  können  hier
nicht  sämtliche  Punkte,  in  denen  sich  eine  Abweichung  der  jetzigen  von  den  früheren
Verhältnissen  ergibt,  aufgeführt,  sondern  nur  einige  charafteristische  Züge  bezeichnet
            
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