Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Zweiter  Teil.  Landet.  XI.  Geldwesen  und  Kapitalismus.

4.  Die  Goldproduktion  am  Ende  des  19.  Jahrhunderts.
Von  Karl  Lelfferich.
kelfserich,  «Feld  und  Banken,  (Hand-  und  Lehrbuch  der  Staatswiffenschaften.  Abt.,
8.  Bd.)  Teil.  Leipzig,  L.  L.  ^irschfeld,  tgos.  5.  AS—;oo.
Schon  in  der  zweiten  Lälftc  der  achtziger  Jahre  machte  sich,  wenn  auch  zögernd
und  unter  Rückschlägen,  eine  Steigerung  der  Goldgewinnung  bemerkbar.  Die  australische
Goldgewinnung  setzte  wenigstens  ihren  Rückgang  nicht  fort,  in  den  Vereinigten  Staaten
begann  der  Goldbergbau  allmählich  wieder  größere  Erträgnisse  zu  liefern,  und  die
weitere  Abnahme  der  russichen  Goldproduktion  wurde  mehr  als  ausgeglichen  durch  den
beginnenden  Goldbergbau  in  Südafrika.
Eine  entscheidende  Wendung  trat  erst  mit  dem  Anfang  der  neunziger  Jahre  ein.
Jahr  für  Jahr,  und  meist  in  großen  Sprüngen,  ging  die  Goldproduktion  in  die  Löhe.
Der  Rückgang,  der  seit  dem  Beginn  der  siebziger  Jahre  eingetreten  war,  wurde  rasch
wieder  ausgeglichen,  und  am  Ende  des  neunzehnten  Jahrhunderts  erreichte  die  jährliche
Goldgewinnung  einen  Betrag,  der  etwa  2^2  mal  so  groß  war  als  die  durchschnittliche
Jahresproduküon  der  kalifornisch-australischen  Epoche.
Den  Anstoß  zu  diesem  letzten  und  weitaus  stärksten  Aufschwung  der  Goldgewinnung
gaben  die  Goldbergwerke  am  Witwatersrand  in  Südafrika,  deren  Erträgnisse  sich  von
1891/92  an  in  rascher  Folge  verdoppelten  und  verdreifachten.  Es  handelt  sich  dort
um  ein  Goldvorkommen  von  ganz  außerordentlicher  Ausdehnung  und  Nachhalügkeit,
und  zwar  um  ein  Vorkommen,  das  nicht  im  Wege  der  Goldwäscherei,  sondern  fast
nur  im  Wege  des  Quarzbergbaus  ausgebeutet  werden  kann.  Trotzdem  liefert  Transvaal
Erträgnisse,  welche  auch  die  reichste  Produktion  aller  bisher  ausgebeuteten  Schwemmlande ­
  übertreffen.  Im  Jahre  1898  betrug  die  Produktion  von  Südafrika  120  600  kg
Gold  im  Werte  von  336,4  Millionen  Mark.  Seitdem  hat  der  Burenkrieg  einen  zeitweisen ­
  Stillstand  der  Minen  herbeigeführt,  und  jetzt,  nach  Friedensschluß,  scheint  die
volle  Wiederaufnahme  des  Betriebs,  abgesehen  von  technischen  Schwierigkeiten,
namentlich  in  der  Beschaffung  der  nötigen  Arbeitskräfte  auf  Lindernisse  zu  stoßen.
Neben  Transvaal  wurden  einige  andere  Produttionsgebiete  neu  in  Angriff
genommen.  Von  1888  an  wurde  in  Indien,  namentlich  in  Mysore,  Gold  produziert,
und  zwar  in  rasch  steigenden  Beträgen;  1899  betrug  die  Goldgewinnung  in  Britisch-Jndien
  etwa  37 1 /^  Millionen  Mark.  Auch  in  andern  asiatischen  Gebieten,  namentlich
im  chinesischen  Amurgebiet,  wurden  erhebliche  Quantitäten  Gold  gefunden;  die  chinesische
Produttion  des  Jahres  1899  wird  vom  amerikanischen  Münzdirektor  auf  23,4  Millionen
Mark  veranschlagt.
In  der  zweiten  Lälfte  der  neunziger  Jahre  sind  ferner  im  hohen  Nordwesten
des  amerikanischen  Kontinents,  in  dem  kanadischen  Klondyke  und  dem  amerikanischen
Alaska  Alluvien  von  offenbar  erheblichem  Goldreichtum  entdeckt  worden.  Die  klimatischen
Verhältnisse  des  hohen  Nordens  bedeuten  allerdings  eine  ganz  außerordentliche  Erschwerung, ­
  ttotzdem  hat  die  kanadische  Goldproduttion  im  Jahre  1899  einen  Wert
von  nahezu  90  Millionen  Mark  erreicht.
Die  Auffindung  und  Inangriffnahme  dieser  neuen  Lagerstätten  hätte  zwar  genügt,
um  der  Periode  der  Stagnation  und  des  Rückgangs  der  Goldproduktion  ein  Ende  zu
machen;  für  sich  allein  jedoch  hätten  diese  neuen  Goldlager  und  Goldbergwerke  nicht
die  ganz  gewaltige  Steigerung  der  Goldgewinnung,  deren  Zeugen  wir  in  dem  letzten
Jahrzehnt  waren,  bewirken  können.  Diese  neueste  Epoche  der  Goldproduttion  unterscheidet ­
  sich  vielmehr  von  allen  früheren  aufsteigenden  Perioden  gerade  dadurch,  daß
            
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