244 Zweiter Teil. Lande!. XI. Geldwesen und Kapitalismus.
Gänge, von einem Verzimmern ist bei der Festigkeit des Gesteins keine Rede, und an
Ventilation oder dergleichen denkt niemand.
Das Erz wird in rohe Ochsenhäute geschüttet, die mit Riemen und Stricken
zusammengeschnürt werden, und an langen, mächtigen Seilen windet man durch Göpel-
betrieb die mit etwa 3 Zentnern Erz gefüllten Tierbälge herauf, um sie dann in kleinen
Eisenbahnwagen aus dem horizontal verlaufenden Stollen ans Tageslicht zu befördern,
— eine höchst primitive, aber, wie man behauptet, oft noch recht lohnende Arbeits
weise, da es sich bei so wertvollem Rohstoff immer nur um verhältnismäßig kleine
Mengen handelt und für deren Bewältigung vervollkommnete Beförderungsmittel keines
wegs immer vorteilhaft sind.
Maultiere und Esel nehmen das Erz, wenn es beim Schacht zerschlagen und
gewaschen und nach seiner Güte ausgesucht ist, auf den Rücken und schleppen ihre
Karga, gleich 3 Zentner, auf den miserabelsten Saumpfaden zu Tal zur Hacienda
de beneficio, zur Lütte.
Drahtseil- oder Feldbahnen anzulegen, ist bei der Zerklüftung des Terrains nur
selten möglich, und die armen Langohren sind bei ihrer bekannten Genügsamkeit und
Zähigkeit immer noch die billigsten Transportmittel. Man braucht ihretwegen nicht
einmal den Weg anzulegen oder zu verbessern, sie klettern über Stock und Stein, berg
auf, bergab, und schaut man von einem freien Platze der Stadt zu den Bergen hinauf,
so sieht man allenthalben diese unentbehrlichen Lasttiere in langen Reihen an den
Längen herumklettern und das edle Metall zu Tal schleppen.
Die Haciendas de beneficio sind meist am fließenden Wasser am Abhang
gelegen; aus den alten Zeiten der ladrones her noch mit hohen Mauern, Türmen
und Schießscharten versehen, gleichen sie kleinen mittelalterlichen Festungen, und mittel
alterlich ist auch die Art und Weise, wie in den älteren von ihnen noch immer
gearbeitet wird.
Das Erz kommt zuerst in große, alte Mühlen, um es oberflächlich zu zerkleinern.
Drei Pferdchen ziehen, im engen Kreise herumlaufend, dirett an dem Balken, um den
sich die mächtige Steinwalze dreht, die das Erz zermalmt. In der Mitte der Mühle
ist ein kegelförmig abgeschrägtes Sieb um den Standbalken angebracht, gegen welches
während der langsamen Amdrehung das Erz geworfen wird, so daß die feineren Teile
dirett in die unter dieser ersten Mühlenstation stufenförmig am Berge liegende zweite
Mühle laufen. Lier wird die zerkleinerte Masse unter Zusatz von vielem Wasser
ganz fein gemahlen, doch sind auch diese „Mühlen" die allereinfachsten, die man sich
denken kann.
Ein aufrechtstehender, runder Balken wird durch eine Zugstange von zwei Eseln
in drehende Bewegung gesetzt; an dem Balken sind vier kurze Querhölzer befestigt,
und an jedem von diesen ist mittelst Stricken ein großer, schwerer Stein angehängt,
der, fortdauernd durch die breiige Erzmasse geschleift, dieselbe auf der hatten, unter
mauerten Anterlage so fein zermahlt, wie es bisher die besten Erzmühlen nicht fettig
gebracht; doch ist die Tagesleistung solcher Mühle nicht mehr als 4 Zentner.
Das fein zermahlene Erz läuft nun in ein Sammelbassin, um dann im freien
Los (patio) weiter verarbeitet zu werden. Etwa 600 Kargas werden hier auf einen
Laufen gebracht, um dann von 20—24 Pferden und Maultieren, die, mit Stricken
aneinander gekoppelt, täglich etwa 8 Stunden im Kreise herumgetrieben werden, in
4—6 Wochen, je nach der Sonnenwärme, durchgeknetet zu werden. Anter Zusah von
Quecksilber, Salz- und Kupfersulphat wird dabei das Silber allmählich in Amalgam
übergeführt und nachher durch ein einfaches Auswaschen als solches gewonnen.
Man behauptet, daß diese Bearbeitung mit den Füßen der Tiere noch immer
die besten Resultate gebe und bisher durch keinerlei Maschinen ersetzt werden könne;
aber der Anblick dieser armen, abgetriebenen Geschöpfe, die hier, von den Stricken