Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

1.  Die  Entwickelung  und  der  gegenwärtige  Stand  des  faufm.  Llnterrichtswesens.  287

mag,  so  können  wir  uns  auch  dieser  Errungenschaft  der  modernen  Kultur  nur  mit
halbem  Kerzen  freuen,  und  es  wird  uns  schwer,  zu  glauben,  daß  die  Zeitung  in  ihrer
heutigen  Ausgestaltung  die  höchste  und  letzte  Form  der  Nachrichtenvermittlung  zu  Hilden
bestimmt  sei.

XIV.  Kaufmännisches  LLnterrichtswesen.
1.  Die  Entwickelung  und  der  gegenwärtige  Stand
des  kaufmännischen  Llnterrichtswesens  in  Deutschland.
Von  Oskar  Simon.

Simon,  Das  gewerbliche  Fortbildungs-  und  Fachschulwesen  in  Deutschland.  Berlin,  Lrust
Siegfried  Mittler  und  Sohn,  *903.  S.  (9—22.
Für  die  Ausbildung  des  Kandelsstandes  wurde  schon  im  18.  Jahrhundert  in
doppelter  Weise  gesorgt:  einmal,  indem  einzelnen  allgemeinen  Bildungsanstalten,  insbesondere ­
  den  Realschulen,  Fachkurse  für  Kaufleute  angegliedert  wurden,  oder
indem  man  selbständige  Kandelsschulen  errichtete.  Das  erstere  war  z.  B.  in  der
Keckerschen  Realschule  zu  Berlin*)  und  in  den  nach  ihrem  Muster  in  anderen  Städten
Deutschlands  begründeten  Anstalten  der  Fall.  Besondere,  lediglich  für  Kaufleute
eingerichtete  Schulen  entstanden  in  der  zweiten  Kälfte  des  18.  Jahrhunderts.  Sic  zerfielen
wieder  in  reine  Fachanstalten  mit  nur  kaufmännischen  Fächern  und  kurzer
Ausbildungszeit  für  solche,  meist  schon  in  der  Lehre  stehenden  jungen  Leute,  die
ihre  allgemeine  Bildung  bereits  auf  anderen  Llnterrichtsanstalten,  den  Volks-,  Realoder
  Gelehrtenschulen  erworben  hatten,  und  in  Schulen  mit  längererAusbildungszeit,
die  neben  dem  eigentlichen  Fachunterricht  auch  die  dem  Kaufmann  nötigen  allgemein ­
  bildenden  Fächer  unter  steter  Rücksichtnahme  auf  seine  besonderen  Berufsbcdürsnisse
  im  Lehrplan  berücksichtigten.  Die  bedeutendsten  Kaufmannsschulen  im  18.
und  in  der  ersten  Lälfte  des  19.  Jahrhunderts  waren  die  zu  Lamburg,  Magdeburg
und  Berlin.
Diese  Mannigfaltigkeit  in  der  Organisation  des  kaufmännischen  Llnterrichtswesens
hat  noch  im  ganzen  19.  Jahrhundert  bestanden,  und  sie  besteht  auch  heute  noch.
Kaufmännische  Fachkurse,  angegliedert  an  allgemeine  Bildungsanstalten, ­
  finden  sich  namentlich  in  Bayern,  wo  17  Realschulen,  (Amberg,  Ansbach,
Bamberg,  Freising,  Fürth,  Kaiserslautern,  Kihingen,  Landshut,  Passau,  Spcier,
Erlangen,  Kulmbach,  Lindau,  Ludwigshafen,  Nördlingen,  Traunstein,  Würzburg)  mit
Kandelsabtcilungen  versehen  sind.  Letztere  sind  organische  Bestandteile  der  Realschulen; ­
  der  Lehr-  und  Stundenplan  der  Klassen  I—IV  bleibt  unverändert,  in  Klasse  V
aber,  welche  wöchentlich  34  Stunden  hat,  fallen  für  die  Kandelsschüler  4  Sttmden
Zeichnen  fort,  die  durch  3  Stunden  Kandelskunde  und  Kandelsarithmetik  und  1  Stunde
Schönschreiben  ersetzt  werden.  Zn  Klasse  VI  fallen  4  Stunden  Zeichnen,  2  Stunden
darstellende  Geometrie  und  1  Stunde  Arithnretik  fort,  wofür  4  Stunden  Kandelskunde
*)  ,,Die  um  die  Mitte  des  (8.  Jahrhunderts  von  Johann  Julius  Decker  zu  Berlin  errichtete
Realschule  fand  zwar  in  ganz  Deutschland  große  Beachtung,  verfolgte  aber  bei  allen  ihren  Vorzügen,
die  namentlich  in  der  Wertschätzung  der  realistischen  Fächer  und  der  Betonung  der  Wichtigkeit  des
Anschauungsunterrichts  lagen,  doch  zu  weitgehende  Ziele,  als  daß  üe  ihren  Stifter  (f  (768)  hätte
lange  überdauern  können".  Simon  a.  a.  G.  S.  2.  —  <5.  ITT.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.