Full text: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

12. Die optische Industrie. 
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Lltzschneider, Merz, Steinheil. Nicht zu vergessen sind auch die Wiener Pehval und 
Voigtländer, welche durch neue Linsenverbindungen der jungerstandenen Lichtbildeckinst 
(Photographie) die Wege bahnten. 
Neue Ziele wurden der ausführenden Optik durch die Entdeckungen unseres 
großen Forschers Kelmholtz und des berühmten Ophthalmologen Donders zu Utrecht 
gewiesen. 
Die gewaltigen Fortschritte in den letzten 30 Jahren sind in der Hauptsache dem 
Jenenser Physiker Prof. Dr. Abbe m>d dem Glashüttentechniker Dr. Schott zu danken, 
denen gemeinsam eine wesentliche Verbesserung des optischen Rohglases gelang. Das 
aus ihrem, seit dem Jahre 1881 in Jena bestehenden glastechnischen Laboratorium 
hervorgehende Rohmaterial hat sich bald Weltruf geschaffen und insbesondere die 
optische Industrie Deutschlands in den Stand gesetzt, erstklassige Erzeugnisse auf den 
Weltmarkt zu bringen. 
Von der gesamten deutschen Jahresproduktion optischer Erzeugnisse, die mit 30 
bis 35 Millionen Mark bewertet wird, gelangen nach sachverständiger Schätzung 
%— B U, also mindestens für 20 Millionen Mark auf den Weltmarkt. 
Bezüglich der Einfuhr wird der Gesamtwert auf rund 2Va Millionen Mark ein 
geschätzt. Davon wird die reichliche Hälfte allein durch Stuttgarter, Rathenower und 
Nürnberg -Fürther Großhandelsstrmen eingeführt, um zum Teil wieder ans Ausland 
abgegeben zu werden. 
Die Erzeugnisse Rußlands, Schwedens, Belgiens, Italiens, der Balkanstaaten 
und der außereuropäischen Länder auf optisch-mechanischem Gebiete dienen mehr oder 
weniger nur zur teilweisen Deckung des heimischen Bedarfs. Als beachtenswerte 
Wettbewerber auf den Märkten des Auslandes kommen für uns allein Frankreich und 
Großbritannien, daneben noch Osterreich-Llngarn und die Schweiz in Betracht. Deutschland 
nimmt aber zur Zeit unter diesen unstreitig bereits den ersten Rang ein, trotzdem die 
Entwickelung des Industriezweiges hier erst jüngeren Datums ist. 
Das gilt sowohl von den gewöhnlichen Gebrauchsartikeln — Rathenower Brillen 
B. werden heute in allen Kulturländern des Erdballs getragen — als auch, und 
zwar in erhöhtem Maße, von den Erzeugnissen für wissenschaftliche und technische 
Zwecke. Llnsere empfindlichen, genaue Ergebnisse verbürgenden astronomischen, geodätischen 
und sonstigeit optischen Präzisionswerkzeuge, deren besondere Ausführungen für den 
Export sich bei größter Festigkeit durch geringes Gewicht und entsprechend leichte 
Transportfähigkeit auszeichnen, genießen auf denr Weltmarkt den anerkannt besten Ruf. 
Bei dem Bau großer Fernrohre hat sich die deutsche Technik bisher fast nur 
im Auslande betätigen können, hierbei aber einen nicht unbedeutenden Anteil gehabt. 
In Deutschland selbst ist ihr erst neuerdings Gelegenheit gegeben worden, bei dcni 
großen Refraktor des Potsdamer Observatoriums, sowie bei dem für die Berliner 
Gewerbeausstellung gebauten Treptower Riesenfernrohr Proben ihrer Leistungsfähigkeit 
zu geben, und sie hat diese Proben glänzend bestanden. Beide Instrumente sind als 
Meisterwerke der Optik und Mechanik zu bezeichnen. 
Der Potsdamer Refraktor ist in seiner Eigenschaft als Doppelteleskop (für 
photographische Aufnahmen mit einem Objektiv von 80 cm Durchmesser und für 
visuelles Beobachten mit einem Objektiv von 50 cm Durchmesser) wohl das mächtigste 
Fernrohr der Welt. Der Perkes-Refraktor bei Chicago mit einem Objektivdurchmesser 
von 105 cm und der Lick-Refraktor in Kalifornien mit einem Objektivdürchmesser von 
91 cm sind zwar größer, aber nur für visuelles Beobachten eingerichtet; sie können 
die großen Vorteile der Photographie nur nach Einschaltung besonderer Hilfslinsen 
darbieten, womit naturgemäß Lichtverlust verbunden ist. 
Das Treptower Riesenfernrohr stellt einen völlig neuen Typ dar: an Stelle der 
bisherigen gebräuchlichen kostspieligen drehbaren Schuhkuppel über dem Instrument ist
	        
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