340
Dritter Teil. Industrie.
ein Mantel aus dünnem Eisenblech getreten, welcher das Instrument einschließt, und
während bisher die großen Fernrohre im Schwerpunkt ausgehängt waren, ist hier die
Befestigung an das Okularende gelegt worden. Es fällt so Sehpuntt, Stehpunkt und
Drehpunkt zusammen. Durch diese zweckmäßigen Neuerungen haben sich obendrein
die Herstellungskosten von etwa 4 Millionen Mark auf 250000 Mark vermindert,
wovon 55000 Mark auf das Objektiv kommen, das einen Durchmesser von 70 cm
besitzt. Die Länge des Fernrohrs beträgt 21 m; es ist unter den im Gebrauch befind
lichen Instrumenten das längste, da die beiden vorher genannten großen amerikanischen
Teleskope nur 15 bezw. 18 m lang sind. Das für die Pariser Weltausstellung im
Jahre 1900 hergestellte Riesenfernrohr ist zwar länger, hat sich aber bisher nicht als
gebrauchsfähig erwiesen.
Bleibt so Deutschlands Technik hinsichtlich des Baues großer Refrattoren zum
mindesten nicht hinter dem Auslande zurück, so steht sie bei dem Bau von mittleren
und kleinen astronomischen Instrumenten: Durchgangs-Instrumenten, Meridiankreisen,
Köhekreisen, Kometensuchern rc., was Feinheit und Vollkommenheit der einzelnen
Znstrumentalcinrichtungen bettifft, unerreicht da.
Das gleiche gilt für unsere so überaus feinfühligen Instrumente zur Beobachtung
und Messung der Lichterscheinungen, insbesondere von den Spcktralapvaraten.
Anter den Gebrauchsartikeln erfreuen sich fortgesetzt steigernder Nachfrage auf
dem Weltmärkte außer den Brillen hauptsächlich Feldstecher und photographische Objettive,
eine Tatsache, die auf wesentliche Verbesserungen gerade dieser Artikel in jüngster Zeit
zurückzuführen ist.
And so können wir unsere Ausführungen mit dem Satze schließen: Deutschlands
optische Industrie und zugehörige Feinmechanik befindet sich auf einer hohen Stufe der
Entwickelung. Sie versorgt ja zur Zeit nicht nur den größten Teil des Inlands-, sondern
auch einen beträchtlichen Teil des Weltbedarfs, der bis zur Mitte des vorigen Jahr
hunderts fast ausschließlich von Frankreich und Großbritannien gedeckt wurde. Zu
danken hat sie ihre Blüte in erster Linie dem eifrigen und gründlichen Zusammen
arbeiten von Wissenschaft und Praxis, in nicht geringem Maße aber auch den
geregelten Handelsbeziehungen zum Auslande. Es bleibt ihr nur zu wünschen, daß
an'diesen Grundpfeilern nicht gerüttelt wird.