Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

4.  Hamburgs  und  Bremens  Stellung  auf  dem  Weltmärkte.  349

7.  November  1904,  welchen  Tag  wir  für  unser  Beispiel  wählten,  wurden  in  Hamburg
28  500  Sack,  in  New  Bork  66  000  Sack  geschlossen,  und  da  war  kein  besonderes
Geschäft.
Durch  das  Deutsche  Börsengesetz  vom  22.  Juni  1896  ist  nun  das  börsenmäßige
Tenningeschäft  in  Getreide  und  Mühlenfabrikaten  untersagt.  In  Hamburg  wurde  1887
die  Waren-Liquidationskasse  für  das  Termingeschäft  in  Kaffee  und  Zucker  gegründet.

4.  Hamburgs  und  Bremens  Stellung  auf  dem  Weltmärkte.
Von  Kurt  Wiedenscld.
Iviedcnfcld,  Die  nordwesteuropäischen  lvelthäfen  London—Liverpool—tsainburg—Bremen
—Amsterdam—Rotterdam—Antwerpen—ftavre  in  ihrer  Verkehrs-  und  kandelsbedentung.  Berlin,
Ernst  Siegfried  Mittler  und  Sohn,  $03.  5.  297—302.
Hamburg  ist  derjenige  Festlandhafen,  der  wie  im  Verkehr  so  im  Handel  London  den
stärksten  Wettbewerb  macht,  obwohl  es  in  keinem  Artikel  eine  den  Weltmartt  beherrschende
Stellung  einnimmt.
Von  Massenrohstoffen  ist  nennenswert  nur  der  Rübenzucker,  dessen  Ausfuhr
der  Hamburger  Eigenhandel  für  Deutschland  und  den  größten  Teil  Österreichs  besorgt,
in  dessen  Amsatz  er  sich  von  Magdeburg  schon  in  ziemlich  lveitem  Amfang  befreit  hat.
Daneben  kommt  noch  die  Einfuhr  englischer  Kohle  in  Betracht,  deren  Absatzkreis  jedoch
ziemlich  eng  auf  die  dem  Elbcmündungshafen  benachbarten  Gebiete  beschränk  ist.  Den
zeitweise  recht  starken  Spiritusexport  und  den  nie  sehr  bedeutenden  Wollehandel  hat
dagegen  Hamburg  bereits  fast  ganz  an  Berlin  verloren;  und  hier  sitzen  auch  die
großen  Importhäuser,  auf  deren  Rechnung  hauptsächlich  das  in  der  Hamburgischen
Staüstik  erscheinende  Getreide  eingeführt  wird,  während  Bauinivolle  und  Petroleum
von  Bremen  aus  dirigiett  werden.  In  die  Einfuhr  des  europäischen  Bau-  und  Brennholzes ­
  teilt  sich  der  Elbehafcn  ebenfalls  mit  Berlin.
Dagegen  ist  Hamburg  einer  der  bedeutendsten  Kaffcemärkte  der  Welt,  nur  von
New  Vork  neuerdings  im  Amsatz  übertroffen,  Havre  jedoch  beträchtlich  überragend  und
nicht  nur  für  Deutschland,  sondern  auch  für  den  ganzen  Norden  und  Osten  Europas
der  Bezugsvermittler.  Den  Vorsprung,  den  in  den  achtziger  Jahren  sich  Havre  durch
die  schon  1882  erfolgte  Einführung  des  Kaffeetermingcschäfts  verschafft  hatte,  hat  der
Elbehafen  rasch  eingeholt,  nachdem  auch  er  diese  Geschästsform  im  Jahre  1888
organisiert  hat.  Es  ist  das  amerikanische  Gewächs,  und  zwar  sowohl  die  edlen  Sorten
Mittelamerikas  und  Westindiens  als  auch  der  gemeine  Brasilkaffec,  das  in  Hamburg,
wie  auch  in  Neiv  Bork,  Havre,  Antwerpen  und  Rotterdam  den  Markt  füllt,  während
die  Bohnen  Ostindiens  hauptsächlich  von  Amsterdam  aus  in  den  Konsum  gebracht
werden.
London  merkt  jedoch  den  Wettbewerb  des  Hamburger  Handels  nicht  so  sehr  in
diesen  Artikeln,  deren  Amsah  an  der  Themse  nicht  erheblich  ist,  als  vielinehr  in  all
den  zahllosen  Kolonialwaren,  für  die  sich  der  Elbchafen  bereits  selbständig  gemacht  hat,
ohne  doch  zu  einer  regelmäßigen  Marktbildung  schon  gelangt  zu  sein.  So  besteht  hier
ein  kräftiger  Eigenhandel  in  Kakao,  Tee,  Reis  und  Gewürzen,  in  tropischen  Nutzhölzern ­
  und  in  Läuten,  —  alles  Güterarten,  die  für  Londons  Handelsstellung  ausschlaggebende ­
  Bedeutung  haben;  und  ebenso  sind  gerade  Hamburgs  Exporteure  bereits  stark
in  die  fernen  Gebiete  eingedrungen,  in  denen  Londons  Kaufmannschaft  wettbewerblos
zu  herrschen  sich  gewöhnt  hatte.  Macht  sich  das  auch  quantitativ  noch  nicht  so  sehr
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.