Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

404  Fünfter  Teil.  Verkehrswesen.  !.  Zur  Geschichte  des  Verkehrswesens.

Die  Entsendung  von  Boten  und  Gesandtschaften  an  Nachbarstämme  im
Krieg  und  Frieden  führt  bereits  auf  sehr  niederer  Entwicklungsstufe  zur  Ausbildung
eines  ganzen  Systems  symbolischer  Zeichen  und  Verständigungsmittel.  So  finden  wir
schon  bei  den  rohen  Stämmen  im  Innern  Australiens  verschiedene  Arten  der  Körperbemalung, ­
  des  Kopsschmuckes  und  andere  konventionelle  Zeichen,  um  einem  Nachbarstamme ­
  den  Eintritt  eines  Todesfalles,  die  Abhaltung  eines  Festes  oder  eine  drohende
Gefahr  anzuzeigen,  die  Stammgenossen  zu  irgend  einem  Zwecke  zusammenzurufen  und
dcrgl.  Bei  den  Eingeborenen  Südamerikas  verrichten  künstlich  verknotete  Stricke  oder
Lederriemen  (Ouippus),  bei  den  Nordamerikanern  der  bekannte  Wampum  dieselben
Dienste;  in  Afrika  sind  Botenstäbe  mit  oder  ohne  eingeschnittene  Zeichen  gebräuchlich,
und  ähnliches  findet  sich  bei  Malaien  und  Polynesiern.  Im  Notfälle  haben  die  Boten
ihren  Auftrag  auswendig  zu  lernen  und  mündlich  zu  übermitteln.  In  den  Negerreichen, ­
  wo  die  Regierungsgewalt  des  Herrschers  nur  so  weit  reicht,  als  er  persönlich
oder  durch  seine  Sippengenossen  einzugreifen  im  stände  ist,  haben  die  Ääuptlingsbotcn
eine  sehr  wichtige  Stellung:  durch  sie  ist  das  Oberhaupt  gleichsam  überall  gegenwärtig,
und  neue  Ereignisse  gelangen  mit  überraschender  Schnelligkeit  zu  seiner  Kenntnis.
Aber  auch  für  die  Verständigung  der  Stammgenossen  untereinander,  z.  B.  auf  der
Jagd,  im  Kriege,  besteht  eine  oft  sehr  kunstreich  ausgedachte  Verkehrssymbolik,  die  dem
Uneingeweihten  in  der  Regel  verborgen  bleibt.
Nicht  minder  merkwürdig  sind  die  Fernsprecheinrichtungen,  welche  auf  dem
kunstvollen  Gebrauche  der  Trommel,  des  verbreitetsten  Musikinstrumentes  der  Naturvölker, ­
  beruhen.  Bald  handelt  es  sich  dabei  um  ein  ausgebildetes  Signalsystem,  wie
bei  den  Indianern  und  Melanesiern,  bald  um  eine  richüge  Wortsprachc,  durch  welche
auf  weite  Entfernungen  hin  ausführliche  Unterredungen  geführt  werden  können,  wie
vielfach  in  Afrika.  In  der  Regel  sind  nur  die  Häuptlinge  und  ihre  Anverwandten
dieser  Trommelsprachc  kundig,  und  der  Besitz  des  dazu  verwandten  Instrumentes  bildet
ein  Zeichen  ihrer  Würde,  wie  Krone  und  Szepter  in  den  zivilisierten  Ländern.  In
geringerer  Verbreitung  werden  auch  Feuerzeichen  zur  Sammlung  des  Stammes  oder
zur  Mitteilung  von  Nachrichten  verwendet.

2.  Das  Verkehrswesen  bei  den  Römern.
Von  Karl  Rodbertus.
Rodbertus,  Kominunikationsmittel  im  klassischen  Altertum.  In:  Briefe  und  sozialpolitische ­
  Aufsätze,  lseransgegeben  von  Meyer.  2.  Bd.  Berlin,  Adolf  Klein,  fi882f.  S,  so?
und  S.508  ff.
In  keiner  Beziehung  haben  die  Römer  ihren  Beruf  zur  Administratioit  der  von
ihnen  unterworfenen  alten  Welt  so  glänzend  bewährt  als  durch  Verstellung  der
Kommunikation  der  verschiedenen  Länder  miteinander  und  mit  dem  Zentralpunfte  des
Weltteiches  selbst.  Der  gewalttge  Amfang  und  die  zweckmäßige  Verteilung  der  einem
Netze  gleich  die  ganze  ungeheure  Ländermasse  überziehenden  Straßenanlagen,  die  unverwüstliche ­
  Solidität  der  Chaussierung,  die  Kunst  und  die  Massenhafügkeit  der  damit
verbundenen  Arbeiten,  wie  Viadufte,  Brücken,  Abzugsgräben  und  andere  Wasserbauten,
alles  ist  gleich  sehr  geeignet,  das  Staunen  der  Nachwelt  zu  erregen.  Am  so  mehr,  als
in  vielen  Ländern  die  jetzigen  Kommunikationsmittel  weit  hinter  den  altrömischen  zurückstehen ­
  und  die  noch  benutzten  Neste  der  Römerstraßen  gegenüber  der  Verkommenheit
und  Dürftigkeit  des  gegenwärtigen  Wegebaues  in  doppelter  .Herrlichkeit  erscheinen;  oft
            
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