Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

13.  Männer  des  Zentralverbandes  Deutscher  Industrieller.  31
in  Rheinland  und  Westfalen  und  dem  Zentralverbande  Deutscher  Industrieller  an
und  begann  damit  seine  wirkungsvolle  Tätigkeit  im  öffentlichen  Leben.
Das  Ansehen  und  die  Beachtung,  die  Iencke  schon  als  erstem  Beamten  der
weltberühmten,  größten  deutschen  industriellen  Firma  willig  gezollt  wurden,  rechtfertigte
und  steigerte  er  in  hohem  Maße  durch  die  Betätigung  seiner  staatswissenschaftlichen
und  juristischen  Kenntnisse,  durch  sein  ebenso  schnelles  wie  scharfes  Llrteil,  durch  die
außerordentliche  Klarheit  seiner  Darstellung  und  die  praktische  Erfassung  aller  Verhältnisse, ­
  als  er  feine  Mitarbeit  im  Zentralverbande  aufnahm.  In  diesem  nahm  er  sehr
bald,  besonders  in  allen  die  Arbeiterverhältnisse  betreffenden  Fragen,  eine  maßgebende
und  führende  Stellung  ein.  Bereits  in  den  Ausschußsihungen  vom  5.  Mai  1884
und  25.  Januar  1885  hatte  Iencke  Referate  über  den  Gesetzentwurf,  betreffend  die
Unfallversicherung  der  Arbeiter,  das  definitive  Normalstatut  für  die  Lnfallversicherungs--genossenfchaften
  und  die  Ausdehnung  der  Unfallversicherung  auf  das  Transportgewerbe
gehalten.  In  der  Delegiertenverfammlung  vom  5.  und  6.  Oktober  1885,  die  feine
Wahl  in  das  Direktorium  vollzog,  war  er  Berichterstatter  über  die  Sonntagsarbeit.
Jenckes  Wahl  war  ein  großer  Gewinn  für  das  Direktorium;  er  beteiligte  sich
mit  großer  Kingabe  und  Opferwilligkeit  an  dessen  Arbeiten  wie  überhaupt  an  den  Bestrebungen ­
  des  Zentralverbandes,  die  durch  ihn  in  wesentlichen  Beziehungen  energisch
gefördert  wurden.  Durch  große  umfassende  Referate  hat  Iencke  in  hohem  Maße
dazu  beigetragen,  daß  der  Zenttalverband  namentlich  in  der  Arbeiterversicherungs-  und"
Arbeiterschuhgefetzgebung  eine  führende  Stellung  in  der  Industtie  einnahm  und  nicht
ohne  Erfolg  an  der  Ausgestaltung  der  betteffenden  Gesetze  mitwirkte.  Unvergessen  wird
es  bleiben,  wie  Iencke  in  der  Ausschußsihung  am  23.  November  1887,  nur  wenige
Tage  nach  dem  Erscheinen  der  „Grundzüge  für  die  Invaliden-  und  Altersversicherung
der  Arbeiter",  in  einem  glänzenden  Referat  mit  großer  Schärfe  alle  wesentlichen  Punkte
dieser  neuen,  noch  nirgends  in  der  Welt  erprobten  Arbeiterversicherung  für  die  Zuhörer
klarstellte  und  ihnen  nicht  nur  ein  leicht  faßliches  Bild  von  den  Absichten  der  Regierung
und  der  geplanten  Art  der  Ausführung  gab,  sondern  auch  alle  wesentlichen  Punkte
kritisch  beleuchtete,  indem  er  die  Vorzüge,  aber  auch  die  Mängel  dieser  „Grundzüge"  und
die  Bedenken,  zu  denen  sie  Veranlassung  gaben,  klar  hervorhob.  Es  konnte  nicht  fehlen,
daß  im  Jahre  1901,  als  der  hochverdiente  langjährige  Leiter  des  Zentralverbandes,
Reichsrat  v.  Laßler,  leider  zu  früh  für  alle  Verhältnisse  und  Personen,  mit  denen
er  in  Beziehung  stand,  aus  dem  Leben  abgerufen  wurde,  das  Direktorium  Iencke  zu
seinem  Vorsitzenden  wählte.
Durch  die  Wahl  des  Kommerzienrats  Eugen  Langen  wurde  dem  Direktorium
gleichfalls  eine  hervorragende  Kraft  zugeführt;  denn  Langen  war  als  Ingenieur,  als
höchst  erfolgreicher  Erfinder  und  als  Großindustrieller  in  den  weitesten  Kreisen  bekannt
und  'hochgeschätzt.  Ursprünglich  als  Ingenieur,  mehr  durch  eigenes  Talent  und  unermüdliche ­
  praktische  Arbeit  als  durch  formales  Studium  ausgebildet,  widmete  er  seine
erste  selbständige  Tätigkeit  der  Zuckerfabrikation,  deren  großartige  Entwickelung  in  unserem
Vaterlande  wesentlich  mit  auf  Langen  zurückzuführen  ist.  Lier  betätigte  er  sich  in
großem  Stile  als  Erfinder.  Die  Verbesserung  der  Regeneration  der  Knochenkohle  und
ganz  besonders  die  glückliche  Lösung  der  Zentrifugenarbeit  machten  seinen  Namen  im
In-  und  Auslande  rühmlich  bekannt.  Er  diente  dieser  Industrie  jedoch  nicht  allein  aus
dem  Gebiete  der  Technik,  auf  dem  er  noch  zahlreiche  weitere  Verbesserungen  einführte,
sondern  feinem  maßgebenden  Einfluß  hat  die  Zuckerindusttie  auch  bei  der  Ausgestaltung
der  sie  betteffenden  Gesetzgebung  vieles  zu  danken.
Die  Beschäftigung  mit  der  Zuckerindusttie  füllte  seinen  regen  Geist  und  seine
unermüdliche  Arbeitskraft  jedoch  nicht  aus.  Seinem  regen  Erfindungstalent  gelang  es
in  Verbindung  mit  seinem  Freunde  Or.  Otto,  die  Gasmaschine  zu  einer  hohen  Vollkommenheit ­
  zu  entwickeln,  von  der  die  Gasmotorenfabrik  Deutz  glänzende  Zeugnisse  ab ­
            
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