Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

446  Fünfter  Teil.  Verkehrswesen.  IV.  Binnen-  und  Seeschiffahrt.

zwar  auch  außerdeutsche,  zu  dessen  Befriedigung  herangezogen.  Besteht  aber  der
Kanal  Rhein-Lannover,  so  wird  ein  erheblicher  Teil  des  Mehrbedarfs  den  an  oder
östlich  vom  Kanal  belegenen  Landesteilen  zufallen.  Der  Mehrbedarf  seit  1892  beziffert
sich  für  die  21000000  1  betragende  Steigerung  der  Kohlenförderung  im  Ruhrgebiet
bis  1902  bereits  auf  525000  Festmeter  260000  t,  davon  350000  Festmeter
175000  t  Grubenholz,  und  wird  bis  1912  sd.  h.  bis  zur  Eröffnung  des  Kanalsj
sich  voraussichtlich  noch  erheblich  vergrößert  haben.
Von  besonderer  Wichtigkeit  für  die  Landwirtschaft  ist  fermer  der  erleichterte  Bezug
künstlichen  Düngers,  hauptsächlich  von  Thomasschlacke,  Kalisalzen  und  Mergel.  Die
Vermahlung  der  Thomasschlacke  zu  Phosphatmehl  hat  in  den  letzten  zehn  Jahren  sehr
große  Fortschritte  gemacht.  Das  Bestreben  geht  seit  langer  Zeit  dahin,  die  Eisenbahntarife
  zu  ermäßigen,  um  den  Verbrauch  auszudehnen;  in  noch  höherein  Maße  können
niedrige  Kanalfrachten  dies  bewirken.  Ähnlich  liegen  die  Verhältnisse  bei  den  Kalisalzen. ­
  Die  in  der  Nähe  des  Kanals  erbohrten  Kalilager  haben  so  reiche  Funde
ergeben,  daß  sie  dem  Wasserwege  demnächst  erhebliche  Gütermengen  zuführen  dürften.
Endlich  sind  auch  die  in  der  Provinz  Hannover  und  in  anderen  dem  Kanal  benachbarten
Gegenden  vorhandenen  Mergellager  einer  Steigerung  in  der  Ausbeute  fähig.
Nach  den  eingegangenen  Gutachten  wird  vielfach  auch  auf  die  stärkere  Gewinnung
von  sonstigen  Bodenschätzen  gerechnet.  Die  westfälischen  Gebirgszüge  an  der  Porta
und  von  Vlotho  bis  in  den  Kreis  Lübbecke  hinein  enthalten  reiche  Lager  von  Sandsteinen, ­
  Eisensteinen  und  Kalk,  die  Ebenen  Ton  zu  Ziegeleien.  In  der  Provinz
Hannover  ist  für  die  Ausnutzung  der  Steinbrüche  des  Piesberger  Sandsteins  eine
bedeutende  Ausdehnung  zu  erwarten;  andere  Sandsteinbrüche,  deren  vermehrte  Ausbeute
dem  Kanal  zufallen  würde,  finden  sich  im  Wiehengebirge,  im  Solling,  am  Deister  und
Süntel,  Kalksteinbrüche  im  Ith  und  in  den  Sieben  Bergen,  Ton-,  Kies-  und  Sandlager ­
  in  den  vom  Kanal  gekreuzten  Flußtälern.  Alle  diese  Güter,  die  jetzt  wegen  zu
hoher  Frachtkosten  ein  beschränktes  Absatzgebiet  haben,  werden  in  erhöhtem  Maße
getvonnen  werden  und  dem  Kanal  Verkehrsmengen  zuführen.
Wenn  auch  hinsichtlich  der  erst  zu  erweckenden  Verkehre  nur  allgemeine  Schätzungen
möglich  sind,  so  kann  doch  aus  obigen  Ausführungen  ersehen  werden,  daß  auf
bedeutende  Gütermengen  gerechnet  werden  darf,  die  den  Verkehr  sehr  erheblich  steigern
und  die  Ertragsfähigkeit  des  Kanals  erhöhen  werden,  ohne  den  Eisenbahneinnahmen
Abbruch  zu  tun.

4.  Die  Rheinseeschifsahrt.
Von  Alexander  Wirminghaus.
wirminghaus,  Das  Verkehrswesen  im  Gebiete  der  Stadt  Köln.  Köln,  Druck  von
11T.  Dumont-Schauberg,  (903.  S.  13—22.
Unter  Rheinseeschiffahrt  versteht  man  den  direkten  Verkehr  zwischen  Köln
und  den  niederrheinischen  Läsen  einerseits  und  verschiedenen  Seehäfen  anderseits,  bei
welchen  eine  Umladung  der  Güter  in  den  Seehäfen  der  Rheinmündung  vermieden  wird.
Köln  bildet  den  Endpunkt  dieses  Rheinseeverkehrs,  da  Fahrten  oberhalb  Kölns  wegen
der  für  die  Seedampfer  ungenügenden  Tiefenverhältnisse  des  Rheinbettes  nicht  gemacht
werden  können;  nur  einige  kleine  Segelschiffe  dehnen  ihre  Reise  bis  oberhalb  Kölns
aus.  Es  bedeutete  keine  eigentliche  Neuerung,  sondern  die  Wiederaufnahme  alter
Traditionen,  als  im  Jahre  1885  die  erste  regelmäßige  Seefahrt  von  Köln  nach  London
eingerichtet  wurde.  Denn  schon  während  fast  des  ganzen  Mittelalters  war  der  direkte
            
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