Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

4.  Die  Rheinseeschiffahrt.

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Seeverkehr  Kölns,  insbesondere  mit  England,  ein  sehr  reger  gewesen.  Seit  dem  vierzehnten ­
  Jahrhundert  ging  er  mehr  und  mehr  zurück,  so  daß  schließlich  selbst  die  Erinnerung
an  diese  Seefahrten  aus  dem  Bewußtsein  der  Kölner  Bürger  entschwand.  Erst  im
neunzehnten  Jahrhundert  regte  sich  wieder  das  Interesse  für  überseeische  Unternehmungen
dieser  Art.  Zuerst  wurden  im  Jahre  1829,  sodann  1837  auf  Betreiben  Fritz  Larkortö
Versuche  gemacht,  mit  Segelschiffen  eine  regelmäßige  Verbindung  zwischen  den  niederrheinischen
  Läsen  und  den  Läsen  der  Nordsee  herzustellen,  die  jedoch  ebensowenig
dauernden  Erfolg  hatten  wie  der  im  Jahre  1844  von  einer  kölnischen  Gesellschaft  mit
Dampfern  unternommene  Versuch.  Seitdem  ruhte  diese  Frage,  bis  im  Jahre  1885
die  „Rhein-  und  Secschiffahrtsgesellschaft"  mit  zwei  eigens  erbauten  Seedampfern  eine
direkte  Verbindung  von  Köln  nach  London  eröffnete.  Inzwischen  wurden  diese  Fahrten
auch  auf  andere  Läsen  der  Nord-  und  Ostsee  ausgedehnt,  eine  Reihe  anderer
Gesellschaften  folgte  dem  gegebenen  Beispiele,  die  Zahl  der  Dampfer  wurde  eine  immer
größere  (sie  beträgt  zur  Zeit  42  mit  insgesamt  36700  t  Tragfähigkeit),  so  daß  gegenwärtig ­
  eine  lebhafter  Rhcinseeverkehr  zwischen  Köln  und  den  niederrheinischen  Läsen
einerseits  und  London,  Bremen,  Lamburg,  Altona,  Kiel,  Lübeck,  Rostock,  Stettin,
Danzig,  Königsberg,  Riga,  Aarhus  und  Kopenhagen  anderseits  besteht.  Dieser  regelmäßige ­
  Verkehr  wird  von  besonderen  Rhcinseedampfern  vermittelt,  außerdem  verkehren
einige  Segelschiffe.  Eine  Erweiterung  des  Einfanges  des  Rheinsceverkehrs  trat  dadurch
ein,  daß  im  Jahre  1902  die  Lamburg-Amerika-Linic  einen  regelmäßigen  Eilschleppdienst
  zwischen  den  Läsen  der  Nordsee  und  dem  Rheine  bis  Köln  hinauf  eingerichtet
hat.  Der  Amfang  des  Rheinseeverkehrs  Kölns  hat  sich  im  Laufe  der  Jahre  in  stetig
steigender  Richtung  entwickelt.  Er  begann  1885  mit  einer  Gesamtmenge  von  9153  1,
stieg  im  Durchschnitt  der  Jahre  1886/90  aus  26917  t,  1891/95  auf  52966  1,
1896/1900  auf  90589  t  und  betrug  1903  97139  1,  wovon  60943  1  auf  die  Zufuhr
und  36196  t  auf  die  Abfuhr  entfallen,  so  daß  der  Rheinseeverkehr  fast  den  zehnten
Teil  des  gesamten  Kölner  Lafenverkehrs  ausmacht.  Von  den  in  Köln  angebrachten
Gütern  kamen  8048  1  von  London  und  sonstigen  englischen  Läsen,  34427  t  von
deutschen  Läsen  der  Nordsee,  12314  t  von  deutschen  Läsen  der  Ostsee  und  6154
von  den  oben  genannten  außerdeutschen,  nichtenglischen  Läsen,  Von  den  abgefahrenen
Gütern  gingen  5957  t  nach  englischen  Läsen,  20847  t  bezw.  8855  t  nach  deutschen
Läsen  der  Nordsee,  und  der  Ostsee  und  537  1  nach  sonstigen  außerdeutschen  Läsen.
In  ähnlichem  Verhältnis  waren  auch  in  den  früheren  Jahren  die  einzelnen  Läsen  am
Verkehr  beteiligt.  An  Fracht  wird  in  der  Rheinsecschiffahrt  fast  ausschließlich  Stückgut ­
  geladen;  die  Massengüter  stehen  bisher  zurück.
Die  Wiederbelebung  der  Rheinseeschiffahrt  ließ  schon  bald  den  Gedanken  in  den
Vordergrund  treten,  durch  eine  weitere  Vertiefung  des  Fahrwassers  unterhalb  Kölns
die  Möglichkeit  einer  umfassenderen  Ausgestaltung  dieses  Verkehrs  zu  bieten,  eine  Frage,
welche  zu  Beginn  der  neunziger  Jahre  sowohl  vom  technischen  Standpuntte  wie  auch,
auf  Veranlassung  der  Kölner  Landelskammer,  nach  der  wirtschaftlichen  Seite  hin  eingehend ­
  erörtert  worden  ist.  Leider  hat  diese  Frage,  wenigstens  soweit  sie  die  Öffentlichkeit ­
  beschäftigt,  inzwischen  weitere  Fortschritte  nicht  gemacht.  Die  Preußische  Bauverwaltung ­
  hat  zwar  im  Verfolg  jener  Anregungen  eine  Reihe  von  Jahren  hindurch
uinfangreiche  Stromuntersuchungen  im  Rheine  auf  der  Strecke  von  Koblenz  bis  zur
niederländischen  Grenze  vorgenommen.  Auch  ist  das  Ergebnis  derselben  regierungsseittg
  zusammengestellt  worden.  Die  bezügliche  Denkschrift  ist  aber  noch  nicht  zur  Veröffentlichung ­
  gelangt,  so  daß  die  namentlich  für  den  Kölner  Schifsahrtsverkehr  so  überaus
wichtige  Angelegenheit  in  Interessentenkreisen  während  der  letzten  Jahre  bedauerlicherweise
nicht  gefördert  werden  konnte.
            
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