Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

8.  Der  Suczkanal.

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Es  ist  ein  tragisches  Moment:  im  Grunde  hat  der  Kanal  Ägypten  die  Selbstständigkeit ­
  gekostet,  —  freilich  nicht  zum  Schaden  von  Land  und  Leuten.
Der  Kanal,  der  durch  Vertrag  der  Mächte  vom  22.  Dezember  1888  für  neutral
erklärt  wurde,  hat  sich  technisch,  kommerziell  und  finanziell  glänzend  bewährt.  Der
Verkehr  stieg  von  nicht  ganz  %  Million  Tonnen  nach  und  nach  auf  12  Millionen
Tonnen.  Bereits  1885  wurde  an  seine  Verbreiterung  und  Vertiefung  gegangen,  —
Arbeiten,  die  über  11  Millionen  Kubikmeter  Erdbewegung  beanspruchten,  mehr  als  die
erste  Anlage.
Der  Kanal  ist  allmählich  von  8  m  auf  9  m  vertieft  worden,  und  von  1905  an
wird  kein  Schiff  gezwungen  sein,  mehr  als  5  km  zu  durchlaufen,  ohne  eine  Ausweichstelle ­
  zu  finden,  an  der  die  größten  Fahrzeuge  aneinander  vorüberkommen  können.  Der
Kapitalaufwand  betrug  bis  Ende  1902  rund  594  Millionen  Francs.  Die  Dividende
stieg  von  5%  allmählich  auf  25%.  Die  Gebühren  konnten  von  13  Frs.  im  Laufe
der  Zeit  auf  8  %  Frs.  pro  Registertonne  herabgesetzt  werden?)  Ein  Schiff  von  der
durchschnittlichen  Größe  von  rund  3000  Tonnen  zahlt  jetzt  25  500  Frs.  So  beträchtlich
der  Kanalzoll  erscheint,  so  wird  er  doch  schon  durch  die  Ersparnis  ausgewogen  für  die
Versicherung,  die  die  Fahrt  um  das  Kap  der  guten  Loffnung,  die  je  nach  dem  Ausgangspunkt ­
  20—40  Tage  länger  braucht,  mehr  kostet.  Letztere  besteht  gleichwohl  in
alter  Stärke  fort,  so  daß  sozusagen  nur  der  Verkehrszuwachs  dem  Kanal  zufällt.  Der
Grund  liegt  darin,  daß  das  Rote  Meer  für  Segler  ganz  unbrauchbar  ist  und  diese
nach  wie  vor  den  Weg  um  das  Kap  nehmen.  Bei  Massengütern,  die  nicht  eilen,
können  sie  doch  gut  konkurrieren.  Der  Amstand,  daß  nur  Dampfer  durch  den  Kanal
gehen  können,  hat  neben  anderen  Arsachen  sehr  dazu  beigetragen,  die  Ausdehnung  der
Dampfschiffahrt  im  Weltverkehr  so  sehr  zu  beschleunigen;  die  Wegabkürzung  und  die
schnelle  Fahrt  aber  haben  die  ostafrikanische,  süd-  und  ostasiatische  wie  australische  Welt
Europa  wesentlich  näher  gerückt,  die  Frachten  nach  und  von  diesen  Gebieten  sind
erheblich  niedriger  geworden  und  mit  ihnen  die  Preise  der  Waren,  das  Mittelmeer
und  seine  Läsen,  eine  Zeit  lang  der  Weltschiffahrt  entrückt,  sind  wieder  mehr  zur  Bedeutung ­
  gelangt,  Genua  und  andere  Plätze  sind  mächttg  cmporgeblüht.
•)  Die  Ermäßigung  der  Kanalgebühr  von  9  Lrs.  auf  8,50  Frs.  pro  Rettoregistertonue  vom
I.  Januar  *903  ab  verursachte  für  das  Jahr  (903  einen  Ausfall  von  über  5%  Millionen  Francs
in  den  Einnahmen.  Infolge  großer  Getreidetransporte  aus  Indien  nach  Europa  und  bedeutender
Kohlen-  und  anderer  Transporte  von  Europa  nach  Asien  vor  dem  Kriegsausbruch  zwischen  Japan
und  Rußland  stieg  der  verkehr  so,  daß  die  Einnahme  aus  den  Kanalgebühren  doch  (00992920  $rs.
((902:  (0(025(58  Frs.)  erreichten.  Die  Zahl  der  Paffagiere  betrug  nach  der  definitiven  Feststellung
(96  02$  und  die  Einnahme  aus  der  Passagierabgabe  (960293  Frs.  Da  man  im  Jahre  1902  vorsorglich ­
  (290  975,75  Frs.  auf  neue  Rechnung  übertragen  hatte,  manche  Einnahmen  und  Ausgaben
sich  (903  etwas  günstiger  als  (902  gestalteten,  war  man  in  der  Lage,  pro  (903  eine  Rettodividende
von  26  %  (gegen  25%  im  Vorjahr)  zu  verteilen.  Die  Aktionäre  erhielten  so  2  (78$00  Frs.  mehr
als  im  Vorjahr,  für  die  übrige»  Bezugsberechtigten  ergaben  sich  analoge  Mehrbezüge.
            
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