Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

9.  Das  Eisenbahnwesen.

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haben.  In  der  Tat  wird  das  Wort  Board  of  Trade  zuweilen  zur  Bezeichnung  von
Körperschaften  gebraucht,  die  eine  Art  Kreditversicherung  der  einzelnen  Mitglieder
betreiben.  Allein  dieser  Sprachgebrauch  ist  keineswegs  allgemein-amerikanisch.  Es
gibt  eine  Reihe  von  Orten,  an  denen  das  Wort  Board  ok  Trade  die  amtlich  korrekte
Bezeichnung  für  das  ist,  was  man  in  New  Pork  unter  Chamber  of  Commerce
versteht.  In  Chicago  gibt  es  für  die  Wahrnehmung  der  allgemeinen  Kandelsinteressen
nur  ein  Board  of  Trade;  aber  das  Gebäude,  indem  es  sich  befindet,  heißt  Chamber
of  Commerce  Building.  And  in  Cincinnati,  wo  sich  ein  Board  of  Trade  Company
in  der  Tat  für  Zwecke  nach  Art  der  Kreditversicherung  für  ihre  ca.  100  Members
(b.  h.  Aktionäre)  gebildet  hat,  wurde  mir  dies  in  den  Kreisen  der  Landelskammer  sogar
als  eine  „misapplication  of  the  title“  bezeichnet.  In  Philadelphia  nennt  sich  die
hochangesehene  dortige  Handelsvertretung  nicht  nur  selbst  Board  of  Trade,  sondern
hat  diese  ihre  Bezeichnung  auch  auf  den  amerikanischen  Kandelstag  übertragen,  während
einer  Vereinigung  für  mehr  örtliche  Interessen  der  Name  Trade8  League  beigelegt
ist.  Andererseits  nennen  sich  in  kleinen  Städten  jene  Körperschaften,  die  sich  auf  rein
örtliche  Interessen  beschränken,  ebenfalls  Chamber  of  Commerce.  Solche  Habe  ich
in  Albany  und  in  Wilmington  N.  C.  kennen  gelernt.  An  den:  letztgenannten  Orte
findet  sich  daneben  ein  Board  of  Trade,  für  welches  im  wesentlichen  keine  anderen
Aufgaben  bestehen  als  die  lokalen,  die  auch  die  Kandelskammer  bereits  wahrnimmt.
Gleichwohl  besteht  an  diesem  mittleren  Platze  zwischen  den  beiden  Körperschaften  ein
ebenso  gutes  Einvernehmen  wie  an  großen  Orten,  an  denen  sich  übrigens  nicht  selten
neben  einer  Chamber  of  Commerce  oder  einem  Board  of  Trade  (oder  gar  beiden)
noch  eine  Merchants’  Association  gebildet  Hat.  Die  Amerikaner  betrachten  diese
Vielgestaltigkeit  des  Korporativnslebens  als  einen  wesentlichen  Vorzug,  der  es  jeder
Interessengruppe,  die  an  der  einen  Stelle  sich  zu  kurz  gekommen  glaubt,  ermögliche,
sich  an  einer  andern  zur  Geltung  zu  bringen,  die  auch  gegenüber  schnell  wechselnden
Zeitverhältnissen  eine  stärkere  Modulationsfähigkeit  der  Vertretungsorgane  bewirke.  Von
der  Vertretung  der  allgemeinen  Kandelsinteressen  (z.  B.  aus  Anlaß  eines  Kandelsvertrages)
  führt  eine  ununterbrochene  Kette  von  Übergängen  zu  solchen  Interessen,  die
teils  allgemein,  teils  örtlich  sind  (wie  z.  B.  Kafen-  und  Straßenanlagen),  und  zu
solchen,  die  so  rein  lokaler  und  persönlicher  Art  sind,  daß  man  sie  bei  uns  überhaupt
nicht  mehr  zu  den  Aufgaben  einer  Kandelsvertretung  rechnen  würde,  wie  z.  B.  die
Merchants’  and  Manufacturers’  Association  in  Cincinnati  die  Propaganda  zur
Anlockung  von  Engros-Käufern  soweit  treibt,  daß  sie  Leuten,  die  zu  Einkaufszwecken
in  die  Stadt  kommen,  die  Reisekosten  aus  der  Vereinskasse  ersetzt.

9.  Das  Eisenbahnwesen.
Von  P.  Meesmann.
Rteesmaiin,  Bericht  über  meine  Reife  nach  den  vereinigten  Staaten  von  Nordamerika.
September  —  2.  November  Mainz,  tdvs.)  S.  s—8.
Die  amerikanischen  Eisenbahnen  befinden  sich  ausschließlich  im  Besitz  von  Privatgesellschaften. ­
  Durch  die  Konkurrenz  dieser  Gesellschaften  sind  für  das  Publikum  vielfach ­
  große  Vorteile  erwachsen,  sowohl  im  Tarifwesen  als  auch  in  der  Beförderungsart
und  den  Beförderungseinrichtungen.  Was  zunächst  den  Güterverkehr  betrifft,  so
genießen  die  Amerikaner  bekanntlich  im  allgenieinen  die  billigsten  Frachtsätze  für  Rohstoffe. ­
  Die  Güterwagen  sind  durchgängig  weit  größer  wie  in  Deutschland,  meistens
            
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