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Ebensowenig wie für Brotkorn vermochte die deutsche Landwirtschaft
den Bedarf an Hafer und Gerste zu decken. Selbst in
Kartoffeln mussten wir trotz der enormen Zunahme des Anbaues im
letzten Decennium schon durchschnittlich 3,5% des Bedarfs aus dem
Ausland beziehen.
Des Weiteren geht aber aus der obigen Tabelle hervor, dass
der Anbau von Getreide trotz aller Klagen über die mangelnde
Rentabilität desselben nicht abgenommen hat, sondern noch
gestiegen ist. Hieraus ergiebt sich unverkennbar, dass die deutsche
Landwirthschaft den Getreidebau keineswegs als ein verlustbringendes
Geschäft ansieht, vielmehr sich darauf einrichtet, den ihr bewilligten
Zollschutz gründlich auszunützen. Sie betrachtet denselben offenbar
nicht, wie er gemeint ist, als vorübergehende Beihülfe zur Ueberwindung
einer Krise und für den Uebergang zu einträglicheren
Wirthschaftsformen, sondern als milchende Kuh, auf deren steigende
Ergiebigkeit für alle Zeit gerechnet wird. Auf Kosten des
Getreidebaues und seines „Schattens“, des Kartoffelbaues,
werden nahezu alle übrigen Kulturen eingeschränkt.
Vor allem ist der Anbau von Hülsenfrüchten um nicht weniger
als 32 % zurückgegangen. Die Produktion derselben ist heute eine
gänzlich unzureichende. Im abgelaufenen Jahrzehnt mussten jedes
Jahr hindurch mehr als hunderttausend Tonnen eingeführt werden.
Desgleichen ist der Bau von Handelsgewächsen wesentlich eingeschränkt
worden. Dabei haben wir auch hier mit einem die Produktion
weit übersteigenden Bedarf zu rechnen. Insbesondere die Lage des
deutschen Obstbaues stellt derWirthschaftlichkeit und dem rationellen
Betriebe der deutschen Landwirthe kein schmeichelhaftes Zeugniss aus.
Mussten wir doch während des letzten Jahrzehnts im Jahresdurchschnitt
110 Tausend Tonnen frisches und 140 Tausend Tonnen trockenes
Obst einführen, dazu 19 Tausend Tonnen Weinbeeren. Abgesehen
von Hopfen, dessen Ausfuhr jedoch in den letzten Jahren bei gleichzeitig
zunehmender Einfuhrziffer stark abgenommen hat und sich
nur noch auf 3000 Tonnen Mehrausfuhr beläuft, weist einen Ausfuhrüberschuss
nur noch Zucker auf, bei dem die auf Kosten der einheimischen
Konsumenten gewährte Ausfuhrprämie dem Rübenbau
von vornherein einen „angemessenen Gewinn“ sichert.
Einen sehr grossen Ausfall ergiebt ferner die Erzeugung einer
Reihe wichtiger Rohmaterialien für industrielle Zwecke. Um nur die
Hülsenfriichte.
Handelsgewächse.
Rohstoffe
für die
Industrie.