I.
Die wirthschaftliche Signatur des soeben verflossenen Jahrhunderts
war die aus kleinen Anfängen entstehende und mit überraschender
Schnelligkeit sich entwickelnde gegenseitige Verflechtung
der Kulturstaaten in das Netz des internationalen Welthandels.
Während in früheren Zeiten der internationale Austausch von Waren
sich im wesentlichen beschränkte auf eine relativ kleine Anzahl von
Artikeln, deren Produktion aus Gründen des Klimas und der Bodenbeschaffenheit
bestimmten Gebieten zufiel, trat mit dem 19. Jahrhundert
die ganze Fülle der Massengebrauchsartikel in den Rahmen des Welthandels
ein. Aus der Summe der nationalen Volkswirtschaften
entstand eine neue Einheit: die internationale Weltwirthschaft. Der
Gesammtwerth des Welthandels — d. h. die Summe der Ein- und
Ausfuhrwerthe aller Länder der Erde — betrug im Jahre 1860 erst
29 Milliarden; im letzten Jahre bereits 84 Milliarden.
Die Führung in diesem Entwicklungsgänge hatte bekanntlich
England übernommen, dessen Textil- und Eisenindustrie schon früh
zu hoher Blüthe gelangt war. Im Laufe der weiteren Jahrzehnte
beteiligten sich andere Völker mehr und mehr am Wettbewerb in der
Versorgung des Weltmarktes mit Gütern ihrer einheimischen Produktion.
In Deutschland nahm eigentlich erst mit dem letzten Drittel des
verflossenen Jahrhunderts die Ausgestaltung der auswärtigen Handelsbeziehungen
einen erheblichen Aufschwung; dieser setzte dann —
begünstigt durch die politische Entwicklung — aber auch so nachhaltig
ein, dass das neue Deutsche Reich binnen kurzer Zeit unter
den Welthandelsmächten die erste Stelle hinter England einnahm
und bis heute siegreich behauptet hat. Von den vier Ländern,
-j *
Der Welthandel.
Antheil
Deutsch^
lands.