Full text : Die deutsche Volkswirthschaft und der Weltmarkt

6

Wandlungen
im  Verhältniss

zwischen
Industrie
und  Land»
wirthschaft.

ii.
Die  Entwicklung  unseres  Vaterlandes  zu  einem  massgebenden
Faktor  der  Weltwirthschaft  hat  erklärlicher  Weise  eine  tiefgreifende
Rückwirkung  auf  die  Gestaltung  des  einheimischen  Wirtschaftslebens
ausgeübt  und  hier  gewisse  Wandlungen  herbeigeführt,  die  unserer
Volkswirthschaft  einen  gegen  früher  grundsätzlich  veränderten
Charakter  verliehen  haben.  Es  zeigt  sich  dies  vielleicht  in  nichts
deutlicher  als  in  der  vollständigen  Verschiebung,  welche  in  der  Verteilung ­
  der  Bevölkerung  auf  die  einzelnen  Hauptgruppen
des  Erwerbslebens  eingetreten  ist.  Mangels  früherer  statistischer
Aufnahme  müssen  wir  uns  im  wesentlichen  an  die  Ziffern  der  Berufs-Gewerbestatistiken
  von  1882  und  1895  halten,  allein  auch  diese  und
verhältnissmässig  kurze  Spanne  Zeit  lässt  das  besonders  bezeichnende
Moment  deutlich  genug  hervortreten:  Die  Umwandlung  Deutschlands
aus  einem  Agrarstaat  in  einen  Industrie-  und  Handelsstaat.  Es  entfallen ­
  nämlich  auf:
1882  1895
Industrie  einschiesslich  Bergbau  .  .  .  16,!  Mill.  20, 3  Mill.
Landwirthschaft  18,7  „  17, s  „
Handel  und  Verkehr  4, 5  „  6  „
Die  landwirthschaftliche,  industrielle  und  kommercielle  Bevölkerung
=  100  gesetzt,  ist  der  Anteil  der  Landwirthschaft  um  7%  zurückgegangen, ­
  der  von  Handel  und  Industrie  um  ebensoweit  gestiegen.
Noch  augenfälliger  wird  der  Rückgang  der  Landwirthschaft  in
Deutschland,  wenn  wir  die  gesammte  Bevölkerung  des  Reiches
—  also  einschliesslich  der  Kategorien  des  Beamtentums,  der  häuslichen ­
  Dienste  etc.  —  in  Verhältniss  setzen  zu  der  landwirtschaftlichen ­
  Bevölkerung.  Es  betrug  alsdann  die  letztere  im  Jahre  :

1850  .  .
1870  .  .
1895  .  .

ca.  65°/ 0
ca.  50%
ca.  35%

der  Gesammtbevölkerung  des
Deutschen  Reiches

Es  bildet  sich  also  Handel  und  Industrie  mehr  und
mehr  zum  dominirenden  Faktor  unseres  Wirtschaftslebens ­
  aus.
Diese  Verschiebung  hat  aber  nicht  bloss  die  Bedeutung  eines
quantitativen  Rückgangs  der  landwirtschaftlichen  Interessen  in
Deutschland.  Das  handelspolitisch  Wichtige  an  dieser  Wandlung  ist,
dass  infolge  dieser  Verschiebung  dem  landwirtschaftlichen  Gewerbe
            
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