Zweikontentheorie.
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der Abschluß der Bestands-Konten durch Saldierung oder wenig
stens der Abschluß des Schlußbilanz-Kontos per Saldo, dann
stimmt die Theorie mit ihrer praktischen Durchführung überein.
Schreibt man die Vermögensbestände auf die linken Seite
eines Kontos, müssen die Wertabgänge und die Schuldenbestände
als rechtliche, wirtschaftliche und algebraische Gegensätze auf
die rechte Seite des Kontos bzw. der Konten geschrieben werden.
(Vgl. S. 56 f.)
Schwieriger ist es, eine in allen Teilen befriedigende Er
klärung für die Umkehrung der Funktion der Kapital- oder Er
folgs-Konten zu geben, dafür, daß diese Kontenreihen rechts das
Positive, links das Negative verrechnen. Hügli „erklärt“ sie als
einen formellen „technischen Kunstgriff“, d. h. er erklärt die
Wirkung, nicht die Ursache. Natürlicher scheint uns die An
schauung der Geschäftstheorie zu sein, die Verluste als Forde
rungen (+), Gewinne als Schulden (—) des Geschäfts verbucht.
Wer auf die Idee käme, die Vermögensteile wie üblich,
Schulden, Gewinne und Verluste kontenförmig aber in umge
kehrter J ) Anordnung — Schulden und Gewinne links, Tilgung
und Verluste rechts — zu verrechnen, verbucht auch jeden
Posten doppelt, nicht aber im entgegengesetzten Sinne, zwar auf
zwei Rechnungen, nicht aber auf zwei Gegenrechnungen 2 ). Das
1 ) Nach persönlichen Mitteilungen schreiben orientalische Völker die
Bareinnahmen auf die rechte, die Barausgaben auf die linke Seite des
Kassen-Kontos und kehren demnach die ganze doppelte Buchführung um.
Danach scheint die doppelte Buchführung christliche Erfindung zu sein.
Die in westeuropäischen Ländern übliche Anordnung der Buchungen (links
Einnahmen, rechts Ausgaben) dürfte sich damit erklären lassen, daß beim
Übergang von der Tausch- zur Geldwirtschaft zunächst Geldeinnahmen
und Geldausgaben bzw. Bestände und Bestandsausgänge zu verzeichnen
waren, denen sich in späterer Zeit die Verrechnung der Waren, der Forde
rungen und der Schulden anschlossen.
z ) „Diese Gegenläufigkeit ist ein konstitutives Merkmal des Systems
und entspringt aus der Notwendigkeit, die beiden Reihen (gemeint sind
Bestand- und Erfolgs-Konten der Zweikontentheorie) miteinander so zu
verknüpfen, daß sich die Ergebnisse der Kontengruppen kompensieren und
nicht einfach additiv verdoppeln. Hier liegt die Wurzel der inneren Kon
trolle der doppelten Buchhaltung“ (Reisch-Kreibig, I. Band, 2. Aufl. S. 116).
Andere Kontentheorien: Die realistische Theorie von Sganzini (Z. f. B. 1906,
1910); Skokan (ebenda 1908); Ciomba, Grundriß einer Ökonometrie ....
Leipzig 1910. Reininghaus, Das Wesen der doppelten Buchführung. Bernl913.