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gesellschaften ist imstande, die Aufwendungen für die eigent
lichen Transportleistungen zu verringern, den Kohlenbedarf
auch nur um einen Zentner herabzusetzen, die Bedienungs
mannschaft irgendwie zu verkleinern, dieZahl dernotwendigen
Hilfskräfte einzuschränken. Jedes einzelne Transportschiff
ist eine Individualität für sich. Es ändert seinen Bedarf
nicht, mag es nun einzigartig sein, oder mögen zehn oder
hundert Schiffe zur nämlichen Zeit unter derselben kauf
männischen Verwaltung stehen. Ersparnisse lassen sich allen
falls durch die Gewalt des Großbetriebs beim Einkauf von
Kohlen und anderen Bedarfsartikeln sowie durch Zusammen
legung bisher nicht genügend ausgenutzter Schiffslinien und
durch Verminderung der Propagandakosten herbeiführen.
In der Hauptsache aber kann die Vertrustung nur das Ziel
verfolgen, den Wettbewerb auszuschließen — insoweit dies
überhaupt auf Ozeanen, die freie Weltstraßen sind, erreich
bar — und eine Erhöhung oder wenigstens eine Stabilität
der Frachten zu ermöglichen. Demnach sind Schiffahrts-
trusts im besten Fall bloß Preiskonventionen, während eine
Herabsetzung der Betriebskosten nur sehr bedingt er
reichbar ist. Das waren die grundsätzlichen Bedenken, die
man von vornherein dem Morganschen Schiffahrtstrust (der
„International Mercantile Maritime Co.“) entgegenstellen
mußte. Diese Bedenken wurden gemehrt durch die hier
ganz besonders ungesunde, übergroße und durch nichts
gerechtfertigte Kapitalisierung, die ich bereits in Kapitel IV
hervorgehoben habe. Bei einem Kapital von 150 Millionen
Dollars — die ursprünglichen Verlautbarungen nannten
sogar eine beinahe noch um ein Drittel höhere Summe —
stellte sich die Bruttotonne der Trustschiffe im Vergleich zur
Kapitalsbelastung bei der „Hamburg-Amerikanischen Packet-
fahrt A.-G.“ und beim „Norddeutschen Lloyd“ mehr als
doppelt so teuer, wobei noch ferner erschwerend für den