243
10*
darüber geschrieben wird, liest, so versteht man es, daß
die große Menge der Bevölkerung zu dem Glauben kommt,
die Etablierung der Weltherrschaft der amerikanischen
Industrie, wie sie auch in den Absichten der Trusts liegen
soll, stände unmittelbar bevor
Der Respekt vor der deutschen Arbeit ist hier
so groß wie die Bewunderung für die Tatkraft unseres
Kaisers; das ist wahr und ehrlich gemeint und emp
funden. Mehr als einmal hat man mir gesagt: »We
are so fond of him, he should come to the U. S.!«
Und die das sagten, waren nicht Deutsche, die zwar im
Auslande gute Amerikaner geworden, sondern echte und
rechte eingeborene Bürger des Landes. »Die Bewunderung
für den Kaiser, die in der überwiegenden Mehrheit des
amerikanischen Volkes * lebendig ist,« so äußerte sich
der Schiffbauer Charles H. Cramp zu mir, »bildet ein
Kapital für die Gestaltung guter Beziehungen zwischen
Deutschland und den Vereinigten Staaten. Das Kapital
ist vorhanden — es wartet nur darauf, daß es voll nutzbar
gemacht werde.«“
Einige Monate nach den Begebenheiten, über die ich
vorstehend berichtet hatte, hat mich unser damaliger Bot
schafter bei dem Präsidenten Roosevelt eingeführt. Ich
will nicht die auf zahlreiche Gebiete sich erstreckenden
Einzelheiten unserer gemeinsamen Unterredung mit dem
Oberhaupt der Vereinigten Staaten wiedergeben. Nur eine
Anführung sei mir gestattet zum Zeugnis dafür, daß in
Amerika an bedeutsamster Stelle die Auffassung von
der harmonischen Ausgestaltung der Beziehungen beider
Länder geteilt wird. Präsident Roosevelt, der bald
englisch, bald — meisterhaft — deutsch sprach, unsere
Denker und Dichter liebt, ihre vornehmlichsten Werke
kennt, das Nibelungenlied seinen Kindern wiederholt