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den vielgeschmähten und doch unentbehrlichen gold-bugs
im Osten suchen müssen.
Es ist sonach keine engerumgrenzte See mehr, sondern
ain uferloser Ozean, auf dem die zahllosen, zu selbständigem
Kursleben erwachten Unternehmungsanteile, Schuldver-
schreibungen und Wertanweisungen aller Art ihren glück-
haften oder verhängnisschweren Weg hinaussteuern, in
Sturm und Ruhe auf und nieder schwanken, auf dem sie
heute zu großen Interessenverbänden sich zusammenschlie-
Ben oder morgen zu schweren Einzelkämpfen und ausge-
dehnten Gruppenschlachten sich gegenüberstellen. Und
jedes solches Vorgehen, sei es eine künstliche Wertbeein-
flussung oder eine sachentsprechende Wertberichtigung
gegenüber früheren künstlichen Verzerrungen, sei es eine
Kapitalserweiterung, eine Neugründung, eine Verschmel-
zung und Vertrustung, setzt stets die Führung und Bei-
hilfe, die Mitbeteiligung und den Löwenanteil jenes Fi-
nanzkapitals voraus, das bereits in früheren Jahrzehnten in
Europa seinesgleichen suchte und in der Gegenwart den
Gipfel aller Reichtumsbildung darstellt.
Ob die Vereinigten Staaten damit nicht schwereren so-
zialen Kämpfen entgegengehen wie das alte Europa, in
dem die Gegensätze zwischen arm und reich viel weniger
weit auseinanderklaffen, in dem der hervorstechendste
Reichtum vor allem viel weniger mit Schmutz und Kor-
ruption besudelt erscheint?
Gegen alle plutokratischen Auswüchse fand Amerika
jederzeit das denkbar stärkste Gegengewicht in seiner neu-
weltlich-kolonialen Grundlage: in der unaufhaltsamen Aus-
breitung seines Farmertums, in der unschätzbaren Stütze,
welche durch die Siedelungsmöglichkeit auch die Lebens-
haltung und die Einkommenshöhe seiner Arbeiterschaft
erhielt. Seitdem der Landvorrat im erlösenden „goldenen
Westen“, zum Teil durch kurzsichtigste und gewissenloseste
Verschleuderung bis auf kümmerliche Überreste zusam-
mengeschmolzen ist, wankt diese Stütze ganz allgemein,
wie sie längst schon für einzelne Industrien und Industrie-