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einer Zeit, da der auswärtige Wettbewerb beängstigende Maße an-
nahm. Selbst in den österreichischen Niederlanden, in Nieupoort,
entstand eine Fischereikompanie, die einen Octroi erhielt, Im Jahre
1736 segelten 219 Büsen und 31 Ventjagers aus; das war etwa der
achte Teil des Bestandes von 100 Jahren zuvor. Am empfindlichsten
machte sich die englische Konkurrenz fühlbar‘).
Das Beispiel einer 1750 in England errichteten, durch staat-
liche Prämien unterstützten Heringsfanggesellschaft erregte nun
auch bei den holländischen Heringsreedern die Sehnsucht nach
solcher Hilfe, obwohl die holländische Heringsausfuhr immer noch
beträchtlich war?). Die Hilfe erfolgte 1750 in der Form der Be-
freiung von Imposten und vom Ausfuhrzoll auf holländische Salz-
heringe. Neben der englischen Konkurrenz erhob sich seit 1773
die neue Emdener Fischereikompanie; Preußen vertrat in Ham-
burg mit Energie die dortige Zulassung der Emdener Herings-
zufuhren. Seit 1754 begann man nun auch in den Niederlanden,
durch Prämien diese Fischerei zu unterstützen; Vlissingen ging
voran und andere seeländische Städte folgten®). Im Jahre 1775
erreichten dann die holländischen Orte eine Unterstützung durch
die Staaten von Holland; jedes Schiff sollte für 2 Jahre 500 fl.
erhalten; 1777 wurde die Prämie auf 400 fl. herabgesetzt. Nach
kurzer Zunahme sank die Zahl der Büsen 1780 auf 151. Der Krieg
mit England veranlaßte ein allgemeines Verbot der Ausfahrt. Nun
fand zum ersten Male die Einfuhr fremden, und zwar dänischen
Herings zum Verkauf innerhalb der Republik statt. Nach dem
Kriege half man wieder mit Prämien; sie hatten nur eine geringe
Vermehrung der Fahrt zur Folge. Noch immer hielt man streng
an den alten Heringsordnungen fest; das Verbot der Beteiligung
an fremden Fischereien wurde 1786 erneuert, die Ausfuhr von Hering
nach der Weser und Elbe, wenn er nicht vorschriftsmäßig gepackt,
gebrannt usw. war, nach wie vor verboten.
Am Ende der Republik lagen auch die
Seefischereien im allgemeinen völlig dar-
Nude Koopman, 1,5. 336 /\Beaujon, S. 94:
2) So gingen in Stettin 1754 ein 14 315 Tonnen Heringe, von denen 8280
holländische waren (Schmidt, Beitr. z. Geschichte des Stettiner Handels, II,
S. 239); dagegen 1739 nur 21681% Tonnen, von denen 1582% holländische waren
(ebenda, I, S. 64).
3) Beaujon, S. 101 ff.