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zubringen. Diese Einnahmeanteile würden nämlich durch die Ver
waltung nicht unmittelbar an den einzelnen ausgezahlt, sondern mit Hilfe
eines nach Kopfzahl und Höhe des Gehalts gebildeten Schlüssels auf
die einzelnen Beamten- und Arbeitergruppen verteilt. Jede dieser durch
den ganzen Bereich der Reichsbahnen hindurchgehenden Gruppen ver
waltet selbständig eine Kasse, an deren Verwaltung die Reichsbahnen
nur im» Aufsichtswege beteiligt sind. Diese Verbandskassen verteilen die
Einnahmeanteile nach einem eigenen Statut, durch das sie in der Lage
sind, selbständig Gehalts- bzw. Wohlfahrtspolitik zu betreiben. Sie
bilden z. B. aus den Ergebnissen guter Jahre Rücklagen für schlechte
Jahre, geben Zuschüsse an kinderreiche Familien, an Sterbekassen, Bau
genossenschaften, Erziehungsanstalten. Mit einem Worte: Die Ange
stellten werden im weitesten Umfange Selb st vermalter des
Wohlfahrtswesens. Sie nehmen nicht mehr Wohltaten ent
gegen, sondern betreiben selbst Volkspflege. Die Vorstände dieser Kassen
wären gleichzeitig die gewiesenen Vertreter der Angestellten im Verwal
tungsrat sowie in den Landeseisenbahnräten. Hier würden sie fort
laufend Einblick in die Lage der Gesamtverwaltung tun und an dessen
Schicksal handelnd mitwirken. Sie würden diesem nicht mehr lediglich
als Fordernde, sondern mit dem Gefühl gegenüberstehen, daß die Sache
des Ganzen auch ihre Sache ist. Das wird auf die Dauer kaum ohne
günstige Rückwirkung auf die Gesinnung in den breiten Massen der
Angestellten bleiben können. Es kann erwartet werden, daß sich hier
in dem Gefühl der Zusammengehörigkeit eine gewisse Überlieferung
bildet. Damit wäre ein wichtiges Ziel jeder gesunden
Politik erreicht, nämlich die Eigenliebe des Einzel
nen in die Richtung des allgemeinen Wohls ein
zustellen.