Full text : Die englische Agrarenquete von 1913

Erstes  Kapitel.  Der  Landarbeiter  und  sein  Lohn.

9

Die  Hinteren  Zahlen  beziehen  sich  nur  auf  Lebensmittel,  nicht  auf
Wohnung  und  Kleidung,  die  sich  nicht  wesentlich  im  Preise  verändert  haben.
Das  Mißverhältnis  ist  also  nicht  so  groß,  wie  es  auf  den  ersten  Blick
erscheint.  Mildernd  wirkt  auch  noch  der  Umstand,  daß  die  Landarbeiter
nicht  alle  Lebensmittel  kaufen,  sondern  einen  Teil  ans  ihrem  Garten  beziehen. ­
  Immerhin  kostet  dem  Landarbeiter,  der  für  sich,  seine  Frau  und
drei  Kinder  1907  10  s  für  Nahrung  brauchte,  dieselbe  Menge  jetzt  10 n /i2  s.
Die  Schlußfolgerung  der  Kommission  ist  die,  daß  der  Reallohn  *)
sich  nur  bei  ca.  40°/o  der  Arbeiter  seit  1907  erhöht  hat,  bei  ca.  60°/o
gesunken  ist.
Die  Prämien  für  die  besonders  arbeitsreiche  Zeit,  insbesondere  der
Ernte,  wirkt  nicht  gleich  günstig  wie  eine  über  das  ganze  Jahr  sich
erstreckende  Lohnzulage;  auch  die  Naturalien  kommen  nicht  mit  ihrem
vollen  Werte  zur  Geltung.
Als  drückend  wird  allgemein  die  lange  Arbeitszeit  und  das  Fehlen  von
Feiertagen  empfunden.  Ans  2120  Kirchspielen  kamen  Antworten  über  diesen
Punkt;  sie  ergaben  bezüglich  der  wirklichen  Arbeitszeit  folgendes  Resultat:

Unter  8  Stunden  .  .

Prozentsatz  der  Kirchspiele
Sommer  Winter
...  -  4,5

8  Stunden  ....

.  .  .  —

11,2

8V2  „  ....

...  9,2

38,0

9

...  8,5

25,2

9V2

.  .  .  16,0

8,6

10

.  .  .  25,2

4,8

IOV2

.  .  .  32,2

8,3

11

...  4,6

—

12  und  mehr  Stunden

...  4,0

—

Die  Überstunden  der  Erntezeit  sind  nicht  einbegriffen;  wenn  sie
veranschlagt  werden,  so  ergibt  sich,  daß  die  Prämien  dieser  Periode
gerade  etwa  eine  Bezahlung  der  Überstunden  darstellen.  Besonders
vermissen  die  Arbeiter  den  allen  Industriearbeitern  zustehenden  freien
Sonnabendnachmittag,  und  wo  sich  Gewerkschaften  gebildet  haben,  wie

’)  Reallohn  nennt  die  Statistik  den  Lohn  in  Beziehung  gesetzt  zu  seiner  Kaufkraft.
3 )  Wenn  der  Bericht  damit  sagen  will,  daß  der  Arbeiter  die  Naturalien  nicht
mit  ihrem  vollen  Werte  einschätzt,  so  spricht  er  nur  eine  Erfahrung  aus,  die  auch
bei  uns  jeder  Landwirt  macht;  wenn  er  aber  objektiv  diesen  Standpunkt  vertritt,
so  ist  er  in  einem  großen  Irrtum  befangen.  Siehe  hierüber  das  Nachwort.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.