Object: Die Social-Demokratie

Aus dem Leben Ferdinand Lassalle's. 229 
Herrn von Ratowitz war, so kam es trotzdem zu einer förm 
lichen Verlobung mit Lafsalle. Die Braut gewann es über 
sich, ihren Verlobten von sich zu stoßen und Lassalle ewige 
Treue zu schwören. Die Eltern versagten ihre Einwilligung. 
Nach langen Verhandlungen gab Helene Lassalle wieder auf 
und kehrte gii ihrem ersten Verlobten zurück. Tiefer konnte 
Lassalle nicht verwundet werden; eine größere Demüthigung 
hatte Lassalle in seinem ganzen Leben nicht erfahren. Er 
dürstete nach Rache. Es kam zum Pistolen-Duell mit Herrn 
von Ratowitz am 28. August in der Nähe von Genf. 
Lassalle wurde von seinem Gegner beim ersten Schuß tödtlich 
verwundet. Am 31. August 1864 starb er. 
Dies die einfache Geschichte von dem tragischen Lebens 
ende F. Lassalle's. Die wahre Ursache seines Todes wird 
von seinen Anhängern beharrlich verschwiegen. Dagegen 
schreibt der „N. Soc.-Demokrat" (1871, 59): „Lassalle, 
„der große Demokrat, den die Reaktion wie ein Wild hetzte, 
„der, zu langer Kerkerhaft verurtheilt, in die Verbannung 
„gehen mußte, wo er durch die mörderische Kugel eines 
„Adligen fiel — dieser Mann soll seinen fleckenlosen Rainen 
„hergeben als Aushängeschild für eine Bettelei bei der Re- 
„aktion, die ihn in den Tod hetzte!" So wird Lassalle's 
unrühmlicher Tod zu einem Martyrium für die Arbeitersache 
gestempelt. 
Lassalle's unerwarteter Tod rief bei seinen Freunden die 
größte Bestürzung hervor. Die Gräfin Hatzseldt eilte herbei, 
bemächtigte sich des Leichnams, ließ ihn einbalsaniiren und 
gedachte mit dem Todten einen Triumphzug in Deutschland 
zu halten. Sie beabsichtigte, ihn in Berlin begraben zu 
lassen. Auf Requisition der Lassalle'schen Familie wurde ihr 
jedoch Seitens der Polizei in Köln der Leichnam abgenom 
men. Die Polizei sorgte für den weiteren Transport nach 
Cchusļŗr, Dtk Social-Demokratie. 10
	        
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