Full text : Die englische Agrarenquete von 1913

Nachwort.

ÖO

anderer  Sachlage  auch  nicht  in  dem  Maße  wie  ganz  allgemein  das  umfassendere ­
  soziale  Problem  der  Ermöglichung  des  Auf  -
stieges  des  Landarbeiters  zum  selbständigen  Kleinwirt.  Wir
sahen,  daß  sich  die  agrarischen  Zustände  beider  Länder
vollständig  in  einem  Punkte  decken,  das  ist  die  Unrätlichkeit, ­
  einen  Gutsarbeiterstand  in  seiner  jetzigen
Isoliertheit  aufrechtzuerhalten,  der  etwa  in  gleicher
Weise  vom  sozialen  Aufstieg  abgeschnitten  bleibt,  wie  der  Industriearbeiter ­
  es  infolge  der  absosuten  wirtschaftlichen  Überlegenheit  des  großkapitalistischen ­
  Betriebes  heutzutage  ist.  Für  Beseitigung  dieser  Kluft  gibt
es  in  beiden  Ländern  gleich  gute  Gründe,  und  diese  mit  großer  Schärfe
herausgekehrt  zu  haben,  ist  das  unbestreitbare  Verdienst  des  Kommissionsberichtes. ­
  Wie  oft  haben  wir  nicht  gelesen,  daß  lediglich  die  Reize  der
Großstadt  den  Landarbeiter  anziehen,  wie  selten  dagegen  aber,  daß  auf
dem  Lande  auch  abstoßende  Elemente  am  Werke  sind,  und  das  bei
weitem  stärkste  von  allen  ist  die  Aussichtslosigkeit  für  die
Zukunft.  Wer  auf  dem  Lande  und  mit  dem  Lande  lebt,  glaubt  ein
angeborenes  Anrecht  auf  ein  wenn  auch  nur  kleines  Stückchen  davon
zn  haben  —  ob  die  menschliche  Gesellschaft  klug  und  gut  darin  handelt,
ihn  zu  enttäuschen,  ist  doch  sehr  fraglich.
Wenn  man  unsere  Versammlungen,  unsere  Zeitungen,  unsere
volkswirtschaftliche  Literatur  durchgeht,  so  kann  man  nur  freudig
gestimmt  werden  durch  den  überall  herausklingenden  Eifer  für  die
innere  Kolonisation  und  neuerdings  auch  für  deren  Unterabteilung:  die
Arbeiteransiedlung.  Sei  es  aber,  daß  nicht  alle  Lober  es  ehrlich
meinen,  sei  es,  daß  es  uns  an  Tatkraft,  das  ehrlich  Gemeinte  in  die
Wirklichkeit  zu  übersetzen,  gebricht:  die  Verwirklichung  hinkt  in  betrüblichem ­
  Maße  hinter  der  Überzeugung  von  der  Nützlichkeit  her.  Referent
sieht  es  hier  nicht  als  seine  Aufgabe  an,  dies  zahlenmäßig  darzulegen,
vielmehr  wollte  er  das  englische  Beispiel  und  den  Umstand,  daß  von
der  derzeitigen  englischen  Regierung  wohl  auch  in  Kürze  Taten  zu  erwarten ­
  sind,  nur  als  Ansporn  für  uns  hinstellen,  die  nächsten  Jahre
in  einem  anderen  Tempo  für  die  Ansiedlung  von  Landarbeitern ­
  (und  Kleinbauern)  zu  benützen.
Nur  um  nicht  das  ganze  gewaltige  Gebiet  der  inneren  Kolonisation ­
  zu  betreten,  vermeide  ich  es,  auf  die  Klein  bauernsied ­
  lung  näher  einzugehen;  möchte  aus  dieser  Versäuninis  nicht
gefolgert  werden,  daß  ich  diese  in  ihrer  Wichtigkeit  unterschätzte  oder
            
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