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Nachwort.
wohl gar von ihr absähe und nur die Schaffung von Arbeiter
stellen betrieben wissen wollte. Dies ist um so weniger der Fall, als
ich sehr wohl weiß, daß meistenteils die gemischte Siedlung die besten
sozialen und wirtschaftlichen Aussichten bietet.
Worin liegt denn die allzu verbreitete Meinung von der bei der
Arbeiteransiedlung vermeintlich zutage tretenden Divergenz der Interessen
der Nation als eines Ganzen und des Großgrundbesitzes begründet? Vor
wiegend in der von letzterem vertretenen bloßen Theorie, daß eine größere
Zahl selbständiger Kleinwirte unabweislich die Zahl der unselbständigen
Gutsarbeiter verringern müsse. Dem wäre in der Tat so, wenn die
Zahl der Landbewohner als Ganzes ein für allemal konstant bliebe.
Nun hat uns aber die Statistik zur Genüge gelehrt, daß eine bedeutende
Abwanderung vom Lande, und zwar in erster Linie aus den Großguts
distrikten, stattfindet. Bekanntlich rekrutieren sich die Abwandernden zum
größten Teil aus den tatkräftigen, wirtschaftlich vormärtsstrebenden
Elementen, und dieselben sind es auch, die vorwiegend die Gelegenheit
zur selbständigen Existenz durch Landansiedlung ergreifen. Wenn sich
nun weiter gezeigt hat, daß sich ein erheblicher Teil der durch Par
zellierung eines größeren Gutes freiwerdenden Arbeiter anderen Gütern
derselben Gegend zuwendet, so folgt ohne weiteres, daß ein Gesamt
verlust an Arbeitskräften den Gütern durch die innere Kolonisation
nicht erwächst. Sollte aber wirklich hie und da einem Großlandwirt
eine Arbeiterfamilie verloren gehen, so werden ihm auf der anderen Seite
durch eine wirklich das ganze Land durchsetzende Kleinsiedlung auch
neue Arbeitkränfte zugeführt. Wie wäre es gar, wenn eine großzügige
Begünstigung der Arbeiteransiedlung eine Menge von Industrien aus
der Stadt aufs Land hinausführte und dem Großlandwirt so für die
Erntezeit in Gestalt von sensenfähigen Männern und dauernd in Ge
stalt der Frauen und älteren Kinder ein bedeutender Zuwachs an Arbeits
kräften erwüchse? Nur andeutungsweise sei hier darauf hingewiesen,
daß es eine ganze Menge saisonweise zu betreibender Industrien gibt,
in deren Kombination mit der gleichfalls einen Saisonbetrieb dar
stellenden Landwirtschaft ungeahnte Möglichkeiten sozialer und speziell
hygienischer Prosperität schlummern.
Weder der nächste Preisfall des Getreides, als des Haupt-Boden-
produktes, wenigstens von Nordostdentschland, darf uns mehr vor die
Eventualität gestellt finden, im Geldlohn mit der Industrie zu kon
kurrieren, noch auch auf der anderen Seite die nächste umfaffende