Full text: Die englische Agrarenquete von 1913

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Nachwort. 
wohl gar von ihr absähe und nur die Schaffung von Arbeiter 
stellen betrieben wissen wollte. Dies ist um so weniger der Fall, als 
ich sehr wohl weiß, daß meistenteils die gemischte Siedlung die besten 
sozialen und wirtschaftlichen Aussichten bietet. 
Worin liegt denn die allzu verbreitete Meinung von der bei der 
Arbeiteransiedlung vermeintlich zutage tretenden Divergenz der Interessen 
der Nation als eines Ganzen und des Großgrundbesitzes begründet? Vor 
wiegend in der von letzterem vertretenen bloßen Theorie, daß eine größere 
Zahl selbständiger Kleinwirte unabweislich die Zahl der unselbständigen 
Gutsarbeiter verringern müsse. Dem wäre in der Tat so, wenn die 
Zahl der Landbewohner als Ganzes ein für allemal konstant bliebe. 
Nun hat uns aber die Statistik zur Genüge gelehrt, daß eine bedeutende 
Abwanderung vom Lande, und zwar in erster Linie aus den Großguts 
distrikten, stattfindet. Bekanntlich rekrutieren sich die Abwandernden zum 
größten Teil aus den tatkräftigen, wirtschaftlich vormärtsstrebenden 
Elementen, und dieselben sind es auch, die vorwiegend die Gelegenheit 
zur selbständigen Existenz durch Landansiedlung ergreifen. Wenn sich 
nun weiter gezeigt hat, daß sich ein erheblicher Teil der durch Par 
zellierung eines größeren Gutes freiwerdenden Arbeiter anderen Gütern 
derselben Gegend zuwendet, so folgt ohne weiteres, daß ein Gesamt 
verlust an Arbeitskräften den Gütern durch die innere Kolonisation 
nicht erwächst. Sollte aber wirklich hie und da einem Großlandwirt 
eine Arbeiterfamilie verloren gehen, so werden ihm auf der anderen Seite 
durch eine wirklich das ganze Land durchsetzende Kleinsiedlung auch 
neue Arbeitkränfte zugeführt. Wie wäre es gar, wenn eine großzügige 
Begünstigung der Arbeiteransiedlung eine Menge von Industrien aus 
der Stadt aufs Land hinausführte und dem Großlandwirt so für die 
Erntezeit in Gestalt von sensenfähigen Männern und dauernd in Ge 
stalt der Frauen und älteren Kinder ein bedeutender Zuwachs an Arbeits 
kräften erwüchse? Nur andeutungsweise sei hier darauf hingewiesen, 
daß es eine ganze Menge saisonweise zu betreibender Industrien gibt, 
in deren Kombination mit der gleichfalls einen Saisonbetrieb dar 
stellenden Landwirtschaft ungeahnte Möglichkeiten sozialer und speziell 
hygienischer Prosperität schlummern. 
Weder der nächste Preisfall des Getreides, als des Haupt-Boden- 
produktes, wenigstens von Nordostdentschland, darf uns mehr vor die 
Eventualität gestellt finden, im Geldlohn mit der Industrie zu kon 
kurrieren, noch auch auf der anderen Seite die nächste umfaffende
	        
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