Full text : Staatspapierkurs und Versicherungsgesellschaften

Gesetzgebung  ist,  die  dort  tätigen  fremden  Versicherungsunternehmungen ­
  zum  Erwerb  möglichst  großer  Mengen  ausländischer ­
  Staatspapiere  zu  zwingen.  Die  Anstalten  müssen
daher  nicht  allein  den  Vorrat  an  fremden  Staatspapieren,  den  sie
jetzt  besitzen,  trotz  des  vermehrten  Bestandes  an  heimischen
Fonds  weiter  behalten,  sondern  sind  schon  jetzt  in  einigen
ausländischen  Staaten,  und  werden  es  in  anderen  demnächst,
genötigt,  diesen  Bestand  an  fremden  Werten  wesentlich  zu
vermehren.  ,
Es  wäre  ein  Irrtum,  anzunehmen,  daß  sich  die  schädlichen
Folgen  der  Kapitalanlagevorschrift  auf  die  Gesellschaften  bezw.
ihre  Versicherten  beschränkten.  Sie  gehen  weit  darüber  hinaus
lund  treffen  die  ganze  Volkswirtschaft,  ja,  sie  üben  internationale
Wirkungen  aus.  Die  privaten  Versicherungsgesellschaften  bevorzugen ­
  heute  bei  der  Anlage  ihrer  Kapitalien  erste  Hypotheken.
In  welchem  Umfange  sie  auf  dem  Hypothekenmarkt  als  Geldgeber ­
  auftreten,  lehren  die  nachstehenden  Zahlen:

Hypothekenbestand  der  Hypothekenbanken,  Sparkassen
und  Versicherungs-Gesellschaften.  *)

Deutsche
Hypotheken-Banken
Ende  1909

Preußische  Sparkassen
Ende  1908

Deutsche  Versicherungs-Unternehmungen

Ende  1909

Zahl

Bestand

Zahl

Bestand

Zahl

Bestand

38

10327093000
Mark

1678

5989791000
Mark

257

4354908000
Mark

Der  Hypothekenbestand  der  Versicherungsgesellschaften,
dessen  Hauptteil  in  den  Händen  der  Lebensversicherungsgesellschaften ­
  ist,  war  also  nicht  viel  kleiner  als  der  aller  preußischen
Sparkassen  und  fast  halb  so  groß  wie  der  der  Hypothekenbanken. ­
  Wenn  jetzt  durch  die  Kapitalanlagevorschrift  die  Lebensversicherungsgesellschaften ­
  genötigt  werden,  dem  Hypothekenmarkte ­
  einen  Teil  ihrer  Mittel  zu  entziehen,  so  bedeutet  das

i)  Vergl.  Geschäftsbericht  des  kaiserl.  Aufsichtsamts  für  Privat-Versicherung
  für  das  Jahr  1910,  S.  33.

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