den lassen, Das heißt, man muß dafür sorgen, daß sich das Tempo
ständig erhöht, bis das als Ziel vorschwebende optimale Tempo er-
reicht ist.
Mit den Lehrlingen wird oft so verfahren, daß sie möglichst bald
in Akkord genommen werden, um sie durch den Anreiz des Gewinnes
zu Höchstleistungen anzuspornen.
Zwei Gründe sprechen aber gewichtig dagegen. Erstens haben unsere
Versuche die alte Erfahrung bestätigt, daß dieser Anreiz als solcher
nicht genügt, um die Jugendlichen auf ein optimales Arheitstempo zu
bringen. Zweitens ist es erzieherisch und ethisch viel richtiger, wie
beim Sport den Stolz und die Freude an der Meisterschaft heranzu-
ziehen. Anders verhält es sich, wenn das optimale Tempo einmal
erreicht ist. Dann ist es angezeigt, daß eine den Leistungen entspre-
chende angemessene Belohnung einsetzt. Solange das Training dauert,
hat der Lehrling die subjektive Befriedigung, es zu Rekordleistungen
bringen zu können; ist er aber sozusagen am Ziel, so flaut das Interesse,
diese Leistung durchzuhalten, ab, wenn es nicht von anderswo her unter-
halten wird. Soll er weiterhin das Optimum geben, so muß er Vorteile
sehen, die für denselben und für den Betrieb damit verbunden sind.
Dafür ist die bekannte Form des Akkordlohnes nicht nur objektiv, son-
dern auch psychologisch gegeben. Der Lehrling wird deshalb beizeiten
mit dieser Entlöhnungsart vertraut gemacht und zwar so, daß er die
in diesem Lohnsystem liegende Gerechtigkeit einsieht und Gelegenheit
erhält, sie zu erleben. Wenn er die Erfahrung macht, daß er auf diesem
Wege einen guten Mehrverdienst erreichen kann, so erscheint ihm der-
selbe als willkommen und wirkt sich aus in einer entsprechend guten
Einstellung zur Arbeit, zusammen mit allen anderen bereits günstig
wirkenden Motiven und Gewöhnungen.
Man darf nicht außer acht lassen, daß die rationellen Arbeitsweisen
wohl eine wesentlich höhere Produktion zur Folge haben, daß es aber
vom Arbeiter als ein Gebot der Gerechtigkeit empfunden wird, wenn
auch er, der durch sein Verhalten dazu beiträgt, ökonomisch sich besser
stellt. Es darf nicht erwartet werden, daß der Arbeiter seine mitge-
brachten Gewöhnungen, einschließlich das Arbeitstempo, willig um-
stellt oder umstellen 1äßt, wenn er erfährt, wie viel mehr dadurch pro-
duziert werden kann, ohne daß er selber einen sichtbaren Anteil in Form
eines Mehrverdienstes daran haben kann. Aus diesem Grunde ist auch
das weitverbreitete Rütteln an den Akkordansätzen psychologisch falsch.
Wohl kann es notwendig sein, beim Rationalisieren einer Arbeitsfunk-
tion einen neuen Akkordansatz festzusetzen; wenn er aber einmal wis-
senschaftlich richtig festgelegt ist, so sollte er nicht mehr geändert wer-
den, wenn man will, daß das Vertrauensverhältnis erhalten bleibe, das
für die Einstellung des Arbeitenden zu seiner Arbeit wichtig ist.
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