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betrieben nicht vermeiden, so werden diese vor einer etwaigen Be
nachteiligung infolge der geringen Leistung der Ausländer durch ge
nügende Erhöhung des Gedinges geschützt oder die ausländischen Ge-
dingeschlepper und Hilfsarbeiter werden nur mit 80 bis SO Prozent
an dem von der ganzen Kameradschaft verdienten Lohn beteiligt. Mag
auch zu Ansang der Heranziehung der fremdländischen Arbeiterschaft
hier und dort Besorgnis über ein dadurch hervorgerufenes etwaiges
Sinken der Löhne sich bemerkbar gemacht haben, so haben unsere Ar
beiter längst überall eingesehen, daß sie durch die Einstellung der
Russen und Polen in ihrem Verdienst in keiner Weise benachteiligt
werden, nirgends haben sie sich daher geweigert, mit den Ausländern
zusammenzuarbeiten. Im Gegenteil ist der einheimischen Arbeiter
schaft die Heranziehung der Ausländer insofern zu einem Vorteil ge
worden, als setzt viel jüngere Leute bereits mit Hauerarbeiten betraut
werden können und so die für ihr Alter bedeutend höheren Hauer
löhne verdienen, wie es zu gewöhnlichen Zeiten nicht möglich wäre.
Ein Teil der Ausländer haben ihre Familien bei sich, leben mit
diesen in den Wohnungen der Zechenkolonien oder in anderen Miets
wohnungen und können somit ihre Lebensführung ganz nach Belieben
gestalten. Die ledigen Arbeiter sind nur in beschränktem Maße bei
hiesigen Familien untergebracht, werden aber auch dann auf den
meisten Schachtanlagen in den Kantinen der Zechenverwaltungen be
köstigt, weil ihnen aus diese Weise nahrhaftere und reichlichere Speise
gegeben werden kann. Zumeist haben die Russen und Polen in Massen
quartieren - Sälen, Schlafhäusern, Ledigenheimen — Unterkunft ge
sunde» und werden durch die Zechenverwaltung beköstigt. Die Ein
richtung der Beherbergungsräume ist angemessen und entspricht einer
solchen, wie sic auch für einheimische Arbeiter gehalten wird; die
Räume sind heizbar, enthalten Tische, Stühle, sowie für jeden Mann
ein Bett und einen Schrank. Zur Einnahme der Mahlzeiten dienen
gemeinsame Speiseräume, die sauber und einwandfrei hergerichtet
sind. . Vielfach ist es beobachtet worden, daß die Räume in ekelhafter
Weise beschmutzt, die Worte nicht benutzt und die Notdurft aus dem
Fenster oder in Wasch- und Eßgeschirr verrichtet wurde.
Die Beköstigung wird von den Revierbeamten als durchweg gut
erachtet, eine Ansicht, der nach den den Berichten beigefügten Wochen
übersichten der verabfolgten Speisen sowie nach den Feststellungen der
Zeche General Blumenthal über die Gewichtszunahme der eingestellten
Arbeiter nur zugestimmt werden kann. Die Revierbeamten van
Witten und Essen III bezeichnen auf Grund persönlicher Feststellung
die Kost der Ausländer als eine solche, wie sie sich unsere einheimische
Arbeiterbevölkerung bei den hohen Lebensmittelpreisen nicht leisten
kann, indem die Russisch-Polen täglich dreimal warme Speisen mit
etwa ein halb Pfund Fleisch erhalten. Eine gute Ernährung der Leute
liegt ja durchaus im Interesse der Zeche selbst.