Full text: Staatspapierkurs und Versicherungsgesellschaften

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versicherungsträger zugunsten der Finanzpolitik des Staates 
ihre großen Schattenseiten und schwere Bedenken hat. Man 
kann daher mit Recht sagen, daß, selbst wenn die Erstreckung 
der Kapitalanlagevorschrift auf jene Sozialversicherungsanstal 
ten den Erfolg hätte, den ihre Befürworter erhoffen, und eine 
Besserung oder wenigstens eine Stabilisierung des Kurses der 
Staatspapiere nach sich zöge, dieser Erfolg mit nicht geringen 
Opfern erkauft werden würde. Da aber aus den weiter oben 
darlgelegten Gründen mit Sicherheit darauf zu rechnen ist, daß 
er vollständig ausbleibt, wird jenen Trägern der Sozialver 
sicherung eine schwere finanzielle Schädigung zum Nachteil 
ihrer Arbeitgeber-Mitglieder und ihrer vielen Millionen von 
Versicherten ganz umsonst zugefügt. 
Was die öffentlichen Lebens- und Feuerversicherungs 
anstalten in Preußen betrifft, die ebenfalls dem Kapitalanlage 
zwang unterworfen sind, so hat dieser für sie, zunächst we 
nigstens, nur geringe Bedeutung. Die Feuerversicherungs 
anstalten besaßen durchweg schon den Bestand an Staats 
papieren, der ihnen durch das Gesetz vom Jahre 1910 vor 
geschrieben wurde. Die Lebensversicherungsanstalten beginnen 
ihre Tätigkeit erst jetzt. Die von ihnen angesammelten Fonds 
sind mithin ganz unbedeutend und dürften sich nur langsam 
vergrößern. Auf der anderen Seite sind diese Anstalten den 
privaten Versicherungsunternehmungen gegenüber vom Staat 
in mancherlei Hinsicht privilegiert. Sie brauchen keine Staats 
und Kommunalsteuern zu entrichten, die Staats- und Kom 
munalbehörden leisten ihnen Unterstützungen aller Art. Hierzu 
kommt noch, daß jenen Anstalten auch bei der Anlage ihrer 
Prämiengelder größere Freiheit gelassen ist, als den privaten 
Gesellschaften. Die Schädigungen, die der Kapitalanlagezwang 
den Anstalten verursacht, werden daher auf diese Weise nicht 
unerheblich verringert. 
Die in Preußen in Angriff genommene Unterstellung der 
öffentlichen Sparkassen unter die Anlagevorschrift muß eben 
falls bedenkliche Wirkungen auf das Sparkassenwesen in 
Preußen ausüben. Die Sparkassen versuchen bekanntlich mög 
lichst großle Kapitalien dadurch an sich zu ziehen, daß sie ihren
	        
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