Full text : Zur Entwicklung der Baumwollindustrie in Deutschland

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Samenkörnern  loszulösen.  Danach  wird  sie  mittels  einer  Presse  in
große  Ballen  verpackt,  diese  werden  mit  eisernen  Bändern  verschnürt,
und  die  Baumwolle  ist  fertig  zum  Export.  Eine  große  Pflanze  kann
im  besten  Falle  bis  zu  2 1 / 2  Pfd.  rohe  Baumwolle  liefern.  Man
schätzt  den  Ertrag  von  1  acre  (=  0,405  ha)  auf  75  Pfd.  (Indien)
bis  340  Pfd.  (Ägypten),  im  Mittel  ca.  185  Pfd.  englisch  an  entkörnter ­
  Baumwolle  (je  nach  Klima  und  Sorte  verschieden) 1 ).  Die
für  den  Baumwollbau  benutzten  Bodenflächen  betrugen  in  der  Union
im  Mittel  für  das  letzte  Jahrzehnt  des  ig.  Jahrhunderts  über  21  Milk
acres  =  8,5  Milk  ha.  Das  Gesamtbaumwollareal  in  der  Union,  in
Indien,  Ägypten,  Japan  und  Russisch  Asien  betrug  durchschnittlich
15,6  Milk  ha 1  2  3  * ).  Von  der  Welternte  lieferten  im  Durchschnitt  der  Jahre
1  8q  1  bis  1899  die  Vereinigten  Staaten  2038,3  Milk  kg  =  62,3  °/ 0 ,
Ostindien  und  die  ostindische  Inselgruppe  497  Milk  kg  =  15,3%,
China  258,7  Milk  kg  =  7,9%  und  Ägypten  238,7  Milk  kg  =  7,3  % 8 )-Die
  Baumwollfaser  bildet  eine  einzige  langgestreckte  Zelle,  die,
mit  bloßem  Auge  betrachtet,  als  ein  Härchen  von  gleichem  Aussehen,
aber  ungleicher  Länge  erscheint,  unter  dem  Mikroskop  dagegen  als
eine  abgeflachte,  etwas  gedrehte  Röhre.  Ihr  Hohlraum  ist  vorzüglich
dazu  geeignet,  Farbstoffe  in  sich  aufzunehmen,  ursprünglich  nämlich
ist  die  Farbe  der  Fasern  im  allgemeinen  weiß  oder  schmutzig  weiß.
Bei  der  Beurteilung  der  Güte  der  Fasern  kommen  vor  allem  Länge
und  Feinheit  in  Betracht,  ferner  die  Festigkeit,  Glätte,  Farbe  und
Reinheit.  Von  jeder  Sorte  unterscheidet  man  verschiedene  Qualitäten,
für  deren  Bezeichnung  die  von  der  Liverpool  Cotton  Association  eingeführten ­
  Prädikate:  1.  fair,  2.  middling  fair,  3.  good  middling,
4.  middling,  5.  low  middling,  6.  good  ordinary,  7.  ordinary  gelten. ­
  Dazwischen  schiebt  man,  namentlich  auf  amerikanischen  Märkten,
zur  genauen  Bezeichnung  der  Qualität  noch  zahlreiche  Unterklassen  ein.
In  Bremen  hat  man  für  Upland  folgende  neuen  Klassen  aufgestellt;
i.  middling  fair,  2.  fully  good  middling,  3.  good  middling,
4-  fully  middling,  5.  middling,  6.  fully  low  middling,  f j.  low
middling  etc.  wie  oben.
Für  indische  Baumwolle  gibt  es  dort  nur  vier  Klassen.
Um  das  Preisverhältnis  der  verschiedenen  Qualitäten  ersichtlich
zu  machen,  seien  die  Bremen  Notierungen  vom  8.  Juli  1905  wiedergegeben. ­
  Dieselben  verstehen  sich  in  Pfg.  pro  1 / 2  kg.

1)  Berechnet  nach  Oppel,  a.  a.  O.  S.  103  f.
2)  A.  Oppel,  a.  a.  O.  S.  90.
3)  S.  „Berichte  über  Handel  und  Industrie“,  Ed.  I,  1899/1900,  Berlin  igoo,  S.  413.
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