Full text : Zur Entwicklung der Baumwollindustrie in Deutschland

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gesell  schäften  ins  Leben,  von  denen  1900  noch  25  bestanden 1 ).  Überwiegend ­
  waren  das  Spinnereien,  wie  die  Spinnerei  überhaupt  mehr
unter  kapitalistischen  Gesichtspunkten  betrieben  wurde.  Die  Steigerung ­
  des  Exports  nach  Amerika  war  im  Gegensatz  dazu  wieder
Wasser  auf  die  Mühle  der  Handweberei.  In  den  vierziger  Jahren
hatte  eine  allgemeine  Überproduktion  von  Webwaren  die  Hand-  und
Hausweberei  mit  dem  Untergange  bedroht,  jetzt  aber  stiegen  die
Löhne  wieder  derartig,  daß  die  Anzahl  der  Handwebstühle  Zunahmen.
In  Sachsen  betrug  sie  im  Jahre  1846  17739  und  im  Jahre  1861
31508,  die  Maschinenstühle  waren  in  derselben  Zeit  von  150  auf
1418  gewachsen 1  2 ).  Die  Produktion,  bezw.  die  Mehrausfuhr  von
Baumwollwaren  (oder  Garn)  entwickelte  sich  wie  folgt 8 ):

Die  Mehrausfuhr
(Zentner)
83  826
155  444
172  426

Im  Durchschnitt
der  Jahre
1846—1850
1851  —1835
1856—1861

Die  inländische  Produktion
(Zentner)
547  503
699  263
999  749

Im  Jahre  1861  waren  im  ganzen  Zollverein  vorhanden  26445g
Handstühle  und  23491  Maschinenstühle  (gleich  8,2%) 4  5 ).  Über  die
Entwicklung  der  Betriebsgrößen  in  dieser  Zeit  enthält  Bienengräbers ­
  „Statistik  des  Verkehrs  und  Verbrauchs  im  Zollverein“
interessante  Mitteilungen,  von  denen  ich  einige  hier  wiedergebe 3 ):
In  dem  rheinisch-westfälischen  Industriebezirk  kamen  1843  auf  eine
Spinnerei  932  Spindeln,  1861  aber  6509,  in  Sachsen  hat  eine  Spinnerei
1830  durchschnittlich  4300,  1861:  4593  Spindeln,  in  Bayern,  wo  1861
bereits  21  Aktienspinnereien  mit  einem  Kapital  von  21,3  Milk  Gulden
bestehen,  enthält  eine  Spinnerei  1846  durchschnittlich  4594,  1861  aber
16267  Spindeln.  In  Württemberg  sind  es  8578  und  in  Baden  14100
Spindeln,  die  1861  im  Durchschnitt  auf  einen  Betrieb  entfallen.  Es
geht  klar  hieraus  hervor,  daß  die  Betriebskonzentration  am  weitesten
in  Süddeutschland  und  zwar  hauptsächlich  in  Bayern  Fortschritte  gemacht ­
  hat.
Zu  Beginn  der  sechziger  Jahre  trat  ein  Ereignis  ein,  das  die
Entwicklung  auf  einige  Jahre  hinaus  unterbrach;  die  große  Produk1) ­

  Handbuch  der  deutschen  Aktiengesellschaften  für  1900/1901.
2)  G.  Schmollet,  Zur  Geschichte  der  deutschen  Kleingewerbe,  S.  566.
3)  Bienengräber,  a.  a.  O.  S.  214.
4)  G.  Schmollet,  a.  a.  O.  S.  562  nebst  Anm.  Die  Stelle  enthält  offenbar  zwei
Druckfehler;  die  904  Fabriken  unterhalten  113008  Handstühle,  und  die  Anzahl  der  Maschinenstühle ­
  beträgt  nur  8,2  °/ 0  der  Gesamtzahl.  Vgl.  auch  A.  Oppel,  a.  a.  O.  S.  656.
5)  A.  a.  O.  S.  198  ff.  Die  Durchschnittszahlen  habe  ich  z.  T.  danach  berechnet.
            
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