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nur zum Teil erfüllt, die nämlich, daß das Elsaß wieder die Fein
spinnerei in der alten Weise aufnehmen würde. Dazu kam der Zoll
schutz offenbar zu spät. Für grobe und mittlere Nummern wird da
gegen die günstige Wirkung der neuen Zölle allseitig anerkannt.
So blieb die Konkurrenz der eisässischen Spinnerei und Weberei,
letztere allerdings weniger, auf dem inneren Markte bestehen.
Zudem ist ja die Zollpolitik — das möchte man auch im gegen
wärtigen Augenblick den Industriellen immer wieder verhalten, wenn
sie angesichts der neuen Handelsverträge „den Untergang der Indu
strie“ befürchten — nur eines der Momente, die auf den Geschäfts
gang der Industrie Einfluß haben, insofern als sie sie von den Wechsel
fällen der Produktions- und Absatzverhältnisse auswärtiger Märkte,
in erster Linie des englischen, in gewisser Weise unabhängig macht.
Als weitere Momente kommen hinzu der Preis des Rohstoffes, die
Gütertarife auf Eisenbahnen und Wasserstraßen, die Konkurrenz der
Verkäufer, die Launen der Mode und schließlich die Kaufkraft der
Bevölkerung, sei es auf dem inneren Markte, sei es auf den aus
ländischen Absatzplätzen. Da diese Momente nie konstant sind, wird
der Geschäftsgang der Industrie immer ein schwankender sein.
Kapitel V.
Überblick über die Entwicklung bis zur Gegenwart.
Die Jahre nach 1880 werden durch das Hervortreten sozial
politischer Gesichtspunkte in der Reichsgesetzgebung charakterisiert.
Das Krankenversicherungsgesetz vom 15. Juni 1883 und das Unfall
versicherungsgesetz vom 6. Juli 1884, welche die Arbeiterversicherungs
gesetzgebung einleiteten, wurden seitens der Fabrikanten mit geteilten
Empfindungen aufgenommen, jedenfalls nicht gerade freundlich,
vielfach wurden sie geradezu als unnötige Schikane empfunden.
Teilweise, namentlich in Süddeutschland, bestanden schon früher
F'abrikkrankenkassen, deren Organisation nichts zu wünschen übrig
ließ. In Norddeutschland war das weniger der Fall. Es ist hier
nicht der Ort, auf das Wesen der deutschen Arbeiterversicherung
einzugehen; nur das eine verdient hervorgehoben zu werden, was den