Full text: Zur Entwicklung der Baumwollindustrie in Deutschland

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Wert derselben ausmacht; die Versicherungsgesetzgebung gibt dem 
Arbeiter ein Recht auf Fürsorge, er ist nicht mehr der Willkür des 
Fabrikanten anheimgegeben, die freilich unter Umständen — das 
darf man nicht verkennen — für ihn vorteilhafter sein kann. 
Auch die Gewerbeordnung von 1869 erfährt in dieser Periode 
Änderungen, die auf eine Besserung der Lebensverhältnisse der Arbeiter 
und ihrer Familien hinzielen. So sehr sich auch anfänglich viele Fabri 
kanten auf ihren manchesterlichen Standpunkt versteiften und gegen 
einen Eingriff des Staats in ihre vermeintlichen eigenen Angelegen 
heiten sträubten, heute werden sie das Recht und die Pflicht des 
Staates und die segensreichen Wirkungen einer einheitlichen Regelung 
dieser Fragen ohne Einschränkung anerkennen. 
Zur Durchführung der Unfallversicherung bilden sich allent 
halben Berufgenossenschaften. Für die Textilindustrie gibt es deren 
insgesamt acht; für die Baumwollindustrie kommen nur folgende vier 
in Betracht; 1. die rheinisch-westfälische mit dem Sitz in M.- Gladbach, 
2. die süddeutsche mit dem Sitz in Augsburg, 3. die elsaß-lothringi 
sche mit dem Sitz in Mülhausen i. E. und 4. die sächsische Textil- 
Berufsgenossenschaft mit dem Sitz in Leipzig. Ich tue davon deshalb 
Erwähnung, weil diese Zusammenschlüsse auch für die Industriellen 
Bedeutung gewinnen. 
Trotzdem der Zolltarif von 1879 seitens der Baumwollspinner 
mit Freuden begrüßt worden war und die Hoffnung vorherrschte, 
daß die Konkurrenz der englischen Industrie auf dem deutschen Markte 
immer weniger fühlbar werden würde, zeigte sich doch schon in den 
Jahren 1883 und 1884, die, wie gesagt, die Arbeiterversicherung 
einleiteten und damit den Fabrikanten, wenigstens nach ihrer Meinung, 
neue Lasten auferlegten, daß diese Hoffnung eitel war, denn die 
Engländer warfen während eines Teiles des Jahres ihre Überproduktion 
an Garnen auf den deutschen Markt und drückten dadurch die Preise 
ganz erheblich. Ein Streik der Weber im Blackburndistrikt Anfang 
1884 verurteilte dann die Webereien zum Stillstand und verschlimmerte 
die Lage für die deutschen Weber, indem nun erst recht englische 
Gewebe zu Schleuderpreisen auf den deutschen Markt kamen. Im 
Jahre darauf befanden sich diese dagegen, unterstützt durch gutes 
Wetter und die Mode, in ungewöhnlich günstiger Geschäftskonstellation, 
und die Spinner verspürten den Druck der englischen Kon 
kurrenz. Auch diesmal war es wieder die englische Überproduktion, 
die zu einer förmlichen Deroute auf dem Garnmarkte in Manchester 
führte. Die Folge davon war, daß die englischen Garne weit unter 
den Herstellungskosten nach Deutschland exportiert wurden. Dazu
	        
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