dann muß jeder billiger verkauft werden. Daraus ergibt sich doch ganz thu,
daß der Wert einfach davon abhängt, wie viele Stücke auf den Markt gebracht
werden, und wie stark der Bedarf ist. Uebrigens haben wir das auch in -nu
ferer Handelsschule gelernt, daß der Preis durch Angebot und Nachfrage be
stimmt wird."
„Neulich hast du uns aber etwas anderes erzählt," warf hier Karl cu>.
„Damals hattet ihr in eurer Schule gelernt, daß der Preis durch die Kosten
des Rohmaterials, der Löhne u. s. w. und den Profit bestimmt wird. Wir
haben gesehen, daß mit dieser Erklärung nicht viel weiter zu kommen ist
vscyt erzählst du uns von Angebot und Äkachfrage. Ich bin neugierig, ob da
mehr herauskommen wird." '
„Du hast da," wandte ich mich an Wilhelm, „eine hübsche neue Kra
watte. Was hat denn die gekostet?"
„Eine Mark," entgegnete Wilhelm mit einem gewissen Stotz. „Sie
lieht aber nach mehr aus."
„Waren in dem Geschäft, in dem du sie gekauft hast, nicht auch noch
ichonere, feinere?" fragte ich weiter.
„Freilich," erwiderte Wilhelm; „aber die konnte ich nicht kaufen, weil
tre gu teuer waren."
„Aha," unterbrach hier Karl. „Ich sehe schon, wo Gustav hinaus
will. Derne Nachfrage nach Krawatten hat sich nach den Preisen gerichtet
und nicht der Preis nach deiner Nachfrage."
„Das ist eigentlich wahr," entgegnete Wilhelm, im ersten Augenblick
etwas verblüffc; „aber, fuhr er fort, „das gilt eben nur für die einzelne
Kundschaft. Wenn eines schönen Tages zum Beispiel niemand mehr seidene
Krawatten verlangen wurde, dann müßten sie doch im Preis stark sinken.
Das konnt ihr doch nicht leugnen."
„Fällt mir auch gar nicht ein," erwiderte ich. „Aber sehen wir v,u,
was werter geschieht. Nehmen wir also an, daß heute zum Beispiel die
leiöenen Krawatten aus der Mode kommen und jeder elegante Herr sich
einen hänfenen Strick um den Hals schlingt. Dann werden gewiß zunächst
die Kravatten b-lliger r-nd die Stricke teurer werden. Glaubst du aber
-aß dann die Krawattenfabrikanten noch weiter ihre Ware auf den Markt
bringen werden?"
„Nein," antwortete.Wilhelm. „Das können sie ja gar nicht, denn sie
würden dann mit Verlust arbeiten. Da werden sie lieber seidene Laschen-'
-ucher oder sonst etwas machen, was Abnehmer findet, oder sie werden ihr
Kapitaf ganz zurückziehen und vielleicht eine Seilerei errichten, um Stricke
zu machen."
„Du sprichst davon," unterbrach ich ihn, „daß der Fabrikant nicht
„mit Verlust" arbeiten könne. Wenn aber, wie du meinst, der Wert wirklich
durch Angebot und Nachfrage bestimmt würde, dann könnte ich nicht ein
sehen. wieso der Krawattenfabrikant jetzt Verlust haben soll. Jetzt sind eben
die Lkrawatten weniger wert, weil weniger Nachfrage danach ist. Er ist in
seinen Hoffnungen enttäuscht, aber worin soll denn sein Verlust, bestehen?"
„Das ist doch ganz klar," erwiderte Wilhelur eifrig. „Er hat doch
Rohmaterial angeschafft, Löhne bezahlt, Maschinen abgenutzt, und schließlich
will er doch auch einen Profit machen. Wenn er das alles nicht im Preis erser-t
bekommt, bann arbeitet er mit Verlust, das heißt: er arbeitet lieber gar
nicht."