Full text : Zur Entwicklung der Baumwollindustrie in Deutschland

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breitung  der  Baumwollkultur  ist  der  Reichstagsbeschluß  vom  16.  Juni
1904,  der  den  Bau  der  Eisenbahnen  Lome-Palime  und  Daressalam-Mrogoro ­
  bewilligte.  Im  übrigen  verweise  ich  auf  die  Berichte ­
  des  Kolonialwirtschaftlichen  Komitees  und  verschiedene  Artikel
in  dem  „Tropenpflanzer“  und  den  „Beiheften“  dazu 1 ).  Die  Anlage
der  Arbeit  läßt  es  nicht  zu,  auf  diese  sehr  interessanten  Dinge  näher
einzugehen.
Die  Frage  der  Organisation  der  Baumwollindustriellen  leitet  uns
über  zu  der  der  Arbeiterorganisationen  und  auf  das  Verhältnis  von
Arbeitgebern  und  Arbeitnehmern  überhaupt.  Um  dies  Verhältnis
und  die  Lebenslage  der  Arbeiter  richtig  beurteilen  zu  können,  müßte
man  aber  über  unparteiische  Quellen  verfügen  und  außerdem  eine
gründliche  Kenntnis  der  realen  Verhältnisse  besitzen.  Die  Berichte
der  Handelskammern,  die  uns  für  einen  großen  Teil  der  Arbeit  als
Unterlage  dienen  konnten,  versagen  in  diesem  Punkte,  denn  sie  beruhen ­
  auf  Darstellungen  der  Unternehmer.  Die  Berichte  der  Fabrikinspektoren ­
  sind  auch  nicht  alle  objektiv  abgefaßt,  sie  geben  vielfach
kein  richtiges  Bild  von  der  Sachlage.  Die  Berichte  der  Arbeitersekretariate ­
  und  der  Gewerkschaften  und  -Vereine  leiden  wieder  an
dem  Fehler,  daß  sie  politische  Zwecke  und  objektive  Sachlichkeit
nicht  genügend  auseinander  halten.  Man  kann  die  Angaben  eben
nicht  kritiklos  übernehmen,  der  Einfluß  des  einseitigen  Interessenstandpunktes ­
  macht  sich  zu  sehr  geltend.
Nicht  einmal  eine  Lohnstatistik  vermögen  wir  mit  der  erforderlichen ­
  Gründlichkeit  und  Sorgfalt  aufzustellen,  denn  diejenigen  Unternehmer, ­
  die  den  Handelskammern  Mitteilungen  über  die  gezahlten
Löhne  machen,  unterscheiden  weder  Spinner-,  bezw.  Weber-  und
Gehilfenlöhne,  noch  auch  die  Löhne  der  Aufseher  und  die  von  männlichen ­
  und  weiblichen  Arbeitskräften  voneinander;  ebensowenig  ist
das  bei  der  Statistik  der  Berufsgenossenschaften  der  Fall,  die  zudem
nur  die  anrechnungsfähigen  Löhne  verzeichnet.  Aus  früheren  Jahren
liegen  meines  Wissens  nur  zwei  Arbeiten  vor,  die  sich  mit  Lohnverhältnissen ­
  der  Arbeiter  befassen;  es  sind  die  bereits  wiederholt  er-1)

  Das  Kolonialwirtschaftliche  Komitee  hat  bisher  vier  eingehende  Berichte  herausgegeben. ­
  Vgl.  ferner  Karl  Supf,  Zur  Baumwollfrage.  „Tropenpflanzer“,  4.  Jahrg.  No.  6
(Juni  1900),  S.  263  ff.  „Beihefte  zum  Tropenpflanzer“,  Bd.  III,  No.  2  (März  1902)  S.  40  ff.
Ebenda,  Bd.  III,  No.  4  (Dez.  1902),  S.  121  ff.  Ebenda,  Bd.  IV,  No.  3  u.  4  (Juli  1903)
S.  81  ff.,  besonders  interessant  Die  Kalkulationen  auf  S.  83.  Schließlich  erwähne  ich  noch
C.  Kaerger,  Brasilianische  Wirtschaftsbilder,  2.  Auflage.  Berlin  1892,  S.  236  ff.,  363  ff.
und  S.  511  ff.
            
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