130 IV. Teil. Die Pariser Wirtschaftskonferenz.
energischeren Beschluß einer Protest kundgebung geführt. Der Protestwird wahrscheinlich.
die Form einerenergischen Erklärung über den Nachteil, der den Amerikanern zugefügt
wird, annehmen und in der Forderung enden, daß dieser Schaden nun endlich aufhören müsse,
da die weitere Zufügung solcher Schäden alseine unfreundliche Haltung Englands betrachtet
werden muß. Auch werden Wiedervergeltungsmaßregeln gesetzgeberischer Art verlangt.
Der niederländische Gesandte nimmt sich energisch der Propaganda für die
Neutralen an, da bereits ein niederländisches Dampfechiff sich geweigert hat, Connosse-
mente von amerikanischen Firmen anzunehmen, die auf der schwarzen Liste stehen.“
Die „Morning Post‘ meldet aus Washington über die gleiche Angelegenheit,
daß in offiziellen Kreisen die Auffassung von der absoluten Souveränität jeder Regierung
bezüglich der Kontrolle über die Handlung ihrer Untertanen bestehe, und daß es dem
Staate selbst zustehe zu verhindern, daß ihm, irgend, welcher Schaden zugefügt werde.
Das Blatt sagt ebenfalls, daß die zu erwartende Note in scharfer Form. abgefaßt sein werde,
umsomehr als der Präsident sich von den Deutsch-Amerikanern nicht den Vorwurf
machen lassen könne, daß er ohne Widerspruch die Verletzung amerikanischer Rechte durch
die Engländer gestatte. „Im Januar protestierte die amerikanische Regierung gegen die
Anwendung der den Handel mit dem Feinde verbietenden Verfügungen auf amerikanische
Bürger, wobei Herr Lansing die schweren Bedenken seiner Regierung, des Kongresses und
der in den Vereinigten Staaten ansässigen Kaufleute äußerte. Die Regierung der Ver-
einigten Staaten erwartet noch immer die Antwort der britischen Regierung auf diesen
Protest, ferner auf den Protest gegen die Beschlagnahme der Post und die Antwort auf
die letzte britische Blokadenote.“
Auch in den südamerikanischen Ländern hat die Erregung darüber, daß
England Handelshäuser auf die schwarze Liste setzt, einen hohen Grad. erreicht. Aus
Chile laufen vertrauliche Anfragen ein, wie sich die Ve reinigten Staaten zu stellen
gedenken (21. Juli 1916).
Der „Nieuwe Rotterdamsche Courant“ schreibt am 24. Juli 1916:
„Amerikas Widerstand gegen die schwarzen Listen ist allen Neutralen
willkommen, die unter dem Handelskriege, wie er von den Alliierten geführt wird, leiden.
Es ist für sie ein Glück, daß Amerika an seinem eigenen Leibe fühlt, was dieser Handelskrieg
bedeutet. Dadurch wird die Aussicht nicht unwesentlich vergrößert, daß endlich auch
gegen diese Form des Unrechte im Handelskriege ein kräftigsrer Ton angeschlagen wird.“*
Aus Norwegen (Kristiania) wird vom 24, Juli 1916 gemeldet:
„In diesen Tagen haben die englischen Behörden eine neue schwarze Liste aus-
gegeben. In diese sind 15 neue norwegische Firmen aufgenommen worden, unter denen
sich auch eine höchst angesehene Bank befindet. „Verdensgang‘“ schreibt, kein
Mensch mit Kenntnis der norwegischen Verhältnisse könne einen Augenblick daran
zweifeln, daß diese Bank nur völlig loyale Geschäfte getrieben habe, die die norwegischen
Bürger allen englischen schwarzen Listen zum "Trotz fortzusetzen entschlossen seien.
Dieses Beispiel zeige jedoch am besten, wie absurd das ganze englische Schwarzlisten-
System sei. Nach Erörterung der Frage, ob sich die Neutralen an Amerika wenden
sollen, damit unter seiner Leitung Repressalien genommen werden, schreibt das Blatt,
es sei davon. überzeugt, daß der norwegische Geschäftsstand mit Freuden die Regierung
stützen werde, wenn sie sich in dieser Aktion Amerika anschließe. Das Blatt teilt ferner
mit, daß eine norwegische Firma, die seit ihrer Gründung jahrelang nur mit England
Geschäfte gemacht habe, in die schwarze Liste gekommen sei. Nach weitläufigen Unter-
suchungen sei lediglich festgestellt worden, daß in dem Namen dieser Firma ein deutscher
Buchstabe ist. Das Blatt behauptet die Richtigkeit dieser Mitteilung.“
Nach einer‘ Nachricht vom 25. Juli 1916 erklärte im britischen Unterhaus
der Vertreter der Regierung Lord Robert Cecil auf eine Anfrage, er habe die kritische
Stimmung der amerikanischen Presse gegenüber der Veröffentlichung der feststehenden
schwarzen ‚Listen feindlicher Firmen bemerkt. ‚Diese Stimmur z scheint ihm aber in
hohem Maße auf einem Mißverständnis zu beruhen. Dieser Schritt der englischen Re