268 Dr. Sogemeier:
Auf die Mehrbelastung der Wirtschaft durch die Eisenbahnfrachten
will ich hier im einzelnen nicht eingehen. Nach Angabe der
Reichsbahnverwaltung beträgt die Steigerung nur 40 %. Tatsächlich
haben spezielle Untersuchungen ergeben, daß die Steigerung erheblich
höher ist. Das erklärt sich auch schon daraus, daß bei einer Gesamtleistung,
die 30 % unter der der Vorkriegszeit liegt, die sächlichen
Ausgaben der Reichsbahn trotz starker Einschränkungen, die auf dem
Gebiete der Ergänzung und Vermehrung des Materials vorgenommen
sind, fast 50 % mehr betragen, die Steigerung der persönlichen Ausgaben
rund 80 %. Diese Mehrausgaben müssen natürlich durch die
stärkere Belastung der Frachten wieder eingeholt werden, d. h, die
Warenpreise für das Inland und auch für den Export müssen eine entsprechende
Mehrbelastung auf sich nehmen.
Das finanziell wirklich Entscheidende für die Lasten, über die die
Wirtschaft heute klagt, sind aber die erheblich gestiegenen öffentlichen
Abgaben und Steuern, Hier liegen die Dinge heute so, daß
diese Milliardenbeträge, die heute ein Mehrfaches der Vorkriegszeit
ausmachen, von der Wirtschaft auf die Dauer einfach nicht mehr getragen
werden können.
Im Jahre 1913 betrug die gesamte deutsche Steuerlast rund 4,4
Milliarden Mark (Summe der Reichs-, Länder- und Gemeindesteuern).
Wenn man die Verluste an Bevölkerungszahl und Gebietsabtretungen
berücksichtigt, wird man, um für die heutigen Verhältnisse eine Vergleichszahl
zu finden, höchstens 4 Milliarden als die Steuerbelastung
der Vorkriegszeit einsetzen dürfen. Hierbei wird dann aber nicht berücksichtigt
die durch andere, obenerwähnte Faktoren ganz außerordentlich
stark geminderte Steuerkraft der deutschen Wirtschaft, insbesondere
auch die Verminderung der für eine Besteuerung in Betracht
kommenden Objekte. Im Jahre 1924 hat allein das Reich an Steuern
7,3 Milliarden vereinnahmt, gegenüber einem Voranschlag von 5,2
Milliarden, der damit um 40% überschritten wurde, Insgesamt wird
das Steueraufkommen des Jahres 1924 in Reich, Ländern und Gemeinden
auf mindestens 12 Milliarden geschätzt. Das bedeutet eine
Verdreifachung der Steuern gegenüber der Vorkriegszeit. Wenn gegen
diese Zahl von 12 Milliarden namentlich von kommunaler Seite Sturm
gelaufen wird und Berechnungen vorgenommen werden, die nicht zu
einer Verdreifachung kommen, sondern nur das 21fache der Vorkriegsbelastung
errechnen, so wird eine genaue amtliche Statistik, deren
Durchführung bei den zahlreichen Steuergläubigern leider immer
jahrelang dauert, doch mindestens den Betrag von 12 Milliarden
ergeben müssen. In dieser Gesamtbetrachtung ist es ja aber ziemlich
unwesentlich, ob die gegenüber 1913 außerordentlich ge-