+90
DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
des Fremdenverkehrs muß deshalb ganz besondere Vorsicht
walten. Nur der beste ist der richtige Mann!
In dem Abschnitt „Verhängnisvolle Wettbewerbe und Preis-
ausschreiben“ schildere ich an Beispielen aus der Praxis, wie
man Preisaüsschreiben nicht veranstalten soll. Diese lehrreichen
Beispiele empfehle ich nachdenklicher Beachtung überall da,
wo die Anstellung eines Kurdirektors oder Verkehrsbureau-
Jleiters zur Debatte steht. Es zeigt, wie ungeschickter blinder
Eifer einem Kurorte ganz ungeheueren Schaden zufügen kann.
Schauen wir uns ein wenig in der Welt um. Man hat die
Verkehrswerbung in fast allen europäischen Reiseländern auf
große Höhe gebracht und handhabt dieses empfindliche Instru-
ment mit einer Leidenschaft, die, sagen wir, nachahmenswert
ist. Staat und Gemeinden unterstützen und fördern in vielen
Ländern diese Werbetätigkeit mit bedeutenden Mitteln. Also
allerschärfste Konkurrenz. Ihr wirksam zu begegnen, sie zu
schlagen, wäre erstes Erfordernis, daß an alle die Posten, deren
Träger zur Erfüllung jener Aufgaben berufen sind, nur wirk-
liche „Werbeanwälte‘“, Männer mit weitem Blick, mit tüchtig-
ster Schulung, mit angeborenem Verständnis für die Belange
und Notwendigkeiten des Fremdenverkehrs und der Reklame,
gestellt werden. Männer, die nicht erst lernen müssen, sondern
die schon ausgelernt haben und anderen lehren können.
Auf eines muß ich noch hinweisen. Die Dotierung des Kur-
direktorpostens pflegt nicht immer Hand in Hand mit den
Anforderungen zu gehen, die an den Mann gestellt werden. Es
mag auf Erinnerungen aus einer nun verklungenen Zeit
beruhen, da als Kurdirektor gewöhnlich ein pensionierter
Offizier oder höherer Verwaltungsbeamter gewählt wurde. Man
legte den Hauptwert auf persönliche Repräsentanz und gesell-
schaftliche Gewandtheit. Der Genießer einer staatlichen Pension
kann ein Nebenamt, wie es der Kurdirektorposten früher
meistens war, mit anderen Augen betrachten als beispielsweise
ein moderner Werbefachmann, der darin seinen Erwerb und
seinen Lebensberuf sieht. Industrie und Handel besolden ihre
tüchtigen Werbefachleute gut, sehr oft sogar glänzend. Will
man für die Werbung der Hotels, Kurorte und des Fremden-
verkehrs kundige Fachleute heranziehen — ich rate dringend
dazu — so muß mit der seither üblich gewesenen Besoldungsart
gebrochen werden. Es würde den Kurorten sicher nicht zum
Schaden gereichen.