Sachsen: Neustadt.
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in der Fabrik gehärtet. Dann erhält es der Bankarbeiter wieder, setzt
es zusammen und richtet die eventuell beim Härten verzogenen Teile
gerade. Nun kommt es wieder zur Fabrik und wird geschliffen. Erst
wenn es geschliffen ist, werden die Schalen vonr Bankarbeiter aufgenietet
und poliert. Das erforderliche Werkzeug nmß sich der Arbeiter selbst
beschaffen, ebenso alle sonstigen Zutaten wie Draht, Öl u. s. w. Das
Polieren der Mesferschalen geschieht meistens in einer sogenannten Schleifmühle,
zu welcher der Arbeiter oft eine halbe bis eine Stunde laufen
muß. Sind nun gerade sämtliche Stände besetzt, so kann es ihm passieren,
daß er eine bis zwei Stunden ivarten muß, wenn er den weiten Weg
nicht nochmals machen will. Welche Unsumme von Zeit durch dieses
System den Arbeitern verloren geht, wird einem erst klar, wenn man
bedenkt, daß diese Arbeiter auf den stundenweit entfernten Dörfern verstreut
wohnen. Diese unrationelle Produktionsweise kann nur durch
unerhörte Ausbeutung rentieren.
Daher beträgt die Arbeitszeit der Bankarbeiter auch 14, 16 und
noch mehr Stunden pro Tag. Von morgens 6 oder 7 Uhr wird gearbeitet
bis abends 10 und 11 Uhr. Der Verdienst schwankt zwischen
9 bis 15 Mk. pro Woche. Der Durchschnitt kann kaum höher als
12Mk. angenommen werden. Da derselbe zum Leben für die Familie
nicht langt, muß die Frau mit verdienen helfen. Die Frauen machen
meistens künstliche Blumen. Dies ist auch so eine jammervolle Hausindustrie.
Auf den Dörfern wird hier und da noch etwas Landwirtschaft
betrieben, welche der Familie vielleicht die nötigen Kartoffeln abwirft.
Der Bankarbeiter verrichtet seine Arbeit meistens in der Wohnstube.
Nur einzelne haben einen besonderen Arbeitsraum. Unter der Staubentwicklung
bei der Arbeit haben daher auch die Kinder zu leiden.
Wird nun Perlmutter, Horn oder Knochen zu den Schalen gefeilt, so
ist die Staubentwicklung ganz enorm. Zudem verarbeitet die Mutter
mit giftigen Farben gefärbte Bestandteile zu Blumen.
Eine ganze Reihe anderer Mißstände macht den Arbeitern ihre
Lage geradezu unerträglich. Daher kommt es auch, daß dort keine
Lehrlinge mehr vorhanden sind. Niemand aus der dortigen Gegend
will Messerschmied werden.
Beim Abliefern wird die Arbeit mit der Lupe geprüft. Ist sie
nicht ganz tadellos, bekommt sie der Arbeiter wieder zurück. Hat sich
der Arbeiter nur im geringsten mißliebig gemacht, kann man ihn hier
gehörig zwiebeln. Auch mit schlecher, wenig lohnender Arbeit werden
solche Leute gemaßregelt. Es kommt oft vor, daß der Arbeiter in kurzer
Zeit so viel zurück bekommt, daß für die Nacharbeit fast eine ganze
Woche darauf geht, wo er dann überhaupt keinen Verdienst hat. Ist
es dann ein Wunder, wenn diese Leute zur Schnapsflasche greifen, um
Vergessenheit im Alkohol zu suchen. Letzterer hilft so die Degeneration
vervollständigen. Die gewerkschaftliche Organisation konnte dort noch
nicht Fuß fassen.
Im nahen Böhmen sollen die Mißstände bei den Arbeitern derselben
Branche noch viel krasser sein. Diese müssen für dieselben Preise
noch den halben Betrag vom Zoll bezahlen. Dort wird die Lehrlingsausbeutung
betrieben.