Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Untersuchung  von  Boden.

düngten  Parzellen  gleich  war,  die  ünhaltharkeit  der  Ansicht  Heinrichs;  jedoch  ist
nicht  ausgeschlossen,  daß  der  benutzte  Boden  noch  hinreichend  aufnehmbare  Nährstoffe
enthielt.
A.  Helmkampf 1 )  hält  die  Wurzeln  ebenfalls  für  keine  geeignete  üntersuohuugsmasse,
  sondern  glaubt,  daß  die  Pflanzenuntersuchung  in  Verbindung  mit  einem  Dfingungsversuch
  geeignet  ist,  die  Düngungsbedürftigkeit  eines  Bodens  anzugeben,  und  schlägt  folgendes
Verfahren  vor:  „Soll  der  Nährstoffzustand  eines  Ackers  geprüft  werden,  so  ist  zunächst  die
Anstellung  eines  Düugungsversuches  (mit  Halmfrucht)  erforderlich.  Sodann  wird  zur  Zeit
der  Blüte  einer  jeden  Parzelle  ein  Durchschnittsmuster  der  auf  ihr  gewachsenen  Pflauzenmasse
  entnommen  und  untersucht.  Zeigt  sich  nun,  daß  der  Gehalt  der  Pflanzen  infolge
der  Düngung  mit  einem  Nährstoff  an  diesem  eine  Steigerung  erfährt,  so  folgt  daraus  die
Düngungsbedürftigkeit  für  diesen  Stoff;  bleibt  aber  andererseits  trotz  Düngung  der  Gehalt
überall  der  gleiche,  so  ist  auf  genügenden  Vorrat  im  Acker  zu  schließen.“
M.  Stahl-Sohröder 3 )  hat  die  Versuche  Heinrichs  wie  Atterbergs  eingehend
nachgeprüft;  auch  er  verwirft  die  Wurzeln  als  Untersuchungsmasse  für  die  Beurteilung  des
Düngebedürfnisses  des  Bodens,  weil  sie  sich  einerseits  nicht  genügend  quantitativ  sammeln
lassen,  andererseits  Luxuskonsumtion  treiben,  d.  h.  einen  Überschuß  an  Nährstoffen
aufnehmen  und  enthalten  können,  ohne  daß  dieser  Mehrgehalt  in  einer  Mehrernte  zum
Ausdruck  gelangt.  Aus  dem  Grunde  besteht  auch  das  v.  Dikowsche  Gesetz  des
Maximums  nicht.  Dagegen  bietet  der  Vorschlag  Atterbergs  mehr  Aussicht  auf  Erfolg-Es
  müssen  indes  bei  der  Bestimmung  des  Verhältnisses  von  Stickstoff:  Phosphorsäure  mehr
die  klimatischen  und  Witterungs  Verhältnisse  der  Anbaugegend  berücksichtigt  werden.
Stahl-Schröder  findet  z.  B.  in  den  in  Peterhof  bei  Riga  geernteten  Haferkörnern  das
richtige  und  günstige  Verhältnis  von  Stickstoff:  Phosphorsäure  wie  100  :  30—40;  ist  dasselbe
enger,  dann  liegt  Stickstoff-Mangel  oder  Phosphorsäure-Überschuß  vor;  ist  es  weiter,  dann
ist  Phosphorsäure-Mangel  oder  Stickstoff-Überschuß  vorhanden.
Weil  aber  das  Bedürfnis  der  Pflanzen  nach  Stickstoff,  Phosphorsäure,  Kali  usWverschieden
  ist,  außerdem  aber  die  einzelnen  Kulturpflanzen  sich  bezüglich  der  Ausnutzung
der  einzelnen  Bodennährstoffe  verschieden  verhalten,  so  lassen  sich  aus  der  Untersuchung
der  Haferkörner  allein  ohne  Zweifel  noch  keine  richtigen  Düngungsregeln  für  die  anderen
Kulturpflanzen  ableiten.
H.  Joulie 3 )  sucht  durch  zahlreiche  Untersuchungen  zu  ermitteln,  was  ein  fruchtbarer
Boden  enthalten  muß,  und  benutzt  die  so  gewonnenen  Werte  zur  Beurteilung  anderer  Ackererden;
  ist  dann  der  betreffende  Pflanzen  wuchs  zur  Zeit  der  Blüte  und  Reife  ein  befriedigender,
so  war  die  Düngung  eine  richtige,  ist  aber  der  Erfolg  ungünstig,  so  wird  die  Pflanz®
untersucht  und  aus  der  Zusammensetzung  im  Vergleich  zur  typischen  Durchschnitts-Zusammensetzung ­
  derselben  Pflanze,  welche  durch  die  Untersuchung  zahlreicher  am  besten
und  vollkommensten  ausgewachsener  Einzelpflanzen  gefunden  ist,  ermessen,  was  der  ersteren
Pflanze  fehlt.
Auch  M.  Märcker 4 )  läßt  eine  Untersuchung  des  Bodens  gleichsam  durch  die  Pflanz®
ausführen,  indem  er  ermittelt,  wie  große  Mengen  gewisser  Nährstoffe  —,  zunächst  der
Phosphorsäure  —  durch  die  Pflanzen  aus  Bodenarten  von  verschiedener  Beschaffenbett
aufgenommen  werden  können.  Dabei  stellte  sich  heraus,  daß  die  Aufnahme  der  Phosphorsäure ­
  durch  die  Pflanze  sich  mit  der  Löslichkeit  der  Phosphorsäure  im  Boden  steigert®,
daß  die  von  der  Pflanze  aufgenommene  Phosphorsäure  in  geradem  Verhältnis  zu  der  durch
Ammoniumzitrat  (Petermann)  aus  dem  Boden  gelösten  Phosphorsäure  steht.  Deshalb
glaubt  M.  Märcker  in  dem  Ammoniumzitrat  oder  nach  anderen  Versuchen  in  einer  5  °/ 0 -ig eIJ
Zitronensäurelösung  ein  Mittel  zur  Bestimmung  der  bodenlöslichen,  d.  h.  der  jedesmal  fd r
die  Pflanze  aufnehmbaren  Phosphorsäure  gefunden  zu  haben.  (Vergl.  hierzu  vorstehend®
Ausführungen  S.  75.)

4 )  Journ.  f.  Landwirtschaft  1892,  40,  85.
2 )  Ebenda  1904,  52,  31,  soweit  bis  Schluß  des  Druckes  dieses  Bogens  erschienen  i^ -
3 )  Journ.  d’agric.  1,  No.  1086,  89.
4 )  Jahrbuch  der  Versuchs-Station  Halle  1890.
            
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