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läufer der modernen Werttheorie‘“ 1) auffassen?). Mit der Erledigung
des Kostenprinzips der Klassiker muß auch sie Teil einer einheit-
lichen Theorie bezw. diese Theorie selbst werden.
Treten wir nunmehr den Beweis an:
Zuerst müssen wir uns darüber klar sein: Die klassische
Theorie des internationalen Handels ist eine Preistheorie. Aller-
dings wird das ausdrücklich erst von J. St. Mill®) hervorgehoben
durch seine Gliederung in „Theory of International Trade‘
(XVII. chapt.) und „Theory of International Values‘“ (XVII.
chapt.), während Ricardo“) beides unter dem Thema ‚Theory
of Foreign Trade“ (VIL. chapt.) abhandelt und dabei vorzüglich
die materiellen Voraussetzungen entwickelt, die eine Abweichung
von seiner Theorie des natürlichen Preises bedingen. Das theo-
retische Grundthema ist jedoch schon bei Ricardo, und zwar zuerst
bei ihm angeschnitten; der Rahmen für eine Lösung schon bei ihm
im „Gesetz der komperativen Kosten“ abgesteckt worden. Auch
inhaltlich ist der exemplifizierende Teil durch die Darstellung des
Austausches von Wein und Tuch zwischen England und Portugal
relativ entwickelt und berühmt geworden. Schließlich ist jedoch
die Intensität des Bewußtseins von der prinzipiellen Bedeutung
einer derartigen „Abweichung“ das Entscheidende. Sie fehlt bei
Ricardo im Sinne der Erkenntnis eines prinzipiellen Zwiespaltes
bezüglich der Preiserklärung. Die Beibehaltung der Kostentermino-
logie innerhalb der neuartigen Theorie des internationalen Handels
mag den unmittelbaren Durchblick verhindert haben.
Nicht in demselben ausschließlichen Sinne gilt das eben Ge-
sagte für J. St. Mill. Er ahnt den primären Charakter der neuartigen
Erklärung, wie sie sich in der Theorie der internationalen Werte
darstellt; de facto erhält sie allerdings nur supplementäre Funk-
tionen zugewiesen oder sie erreicht höchstens den Rang eines neben-
geordneten Prinzips. Wir kommen darauf zurück.
Wir ‚stellen vorläufig fest bzw. behaupten an dieser Stelle,
daß die neue Theorie des internationalen Handels innerhalb des
Systems der Klassiker neben der Theorie des „natürlichen“ Preises
Fe 1) Vgl. Schumpeter, a. a. O0. S. 505.
2) Diese Behauptung schließt nicht aus, daß sie auch der „wertfreien“ oder, wie
wir hier sagen wollen, „wertunbetonten“ "Theorie verwandt ist, ja sogar näher als der
subjektiven Wertlehre. Der Grund liegt in der allgemeinen Verwandtschaft aller theo-
retischen Systeme, die, historisch-genetisch verstanden, die Stufen eines einzigen gedank-
lichen Entwicklungsprozesses ‘darstellen.
3) Hier zitiert in der VI. Ed. London 1865.
4) Hier zitiert in der III. Ed. London 1821.