Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Untersuchung  von  Boden.

mächtigen  Schicht  der  tieferen  Lagen  vorhanden  ist.  Durch  den  Vergleich  mit  Moorböden
von  anerkannter  Fruchtbarkeit  wird  dann  ein  gewisses  Wertmaß  für  die  gerade  vorliegenden
Moorflächen  und  Anhaltspunkte  für  Kultivierungsvorschläge  gewonnen.
Die  Untersuchungen  der  Moor-Versuchs-Station  haben,  wie  schon  oben  S.  85  erwähnt
wurde,  gezeigt,  daß  der  Kalkgehalt  der  verschiedenen  Moorbodenarten  ein  kennzeichnendes
Unterscheidungsmerkmal  bietet.
Es  lassen  sich  hiernach  die  Moore  in  zwei  Hauptgruppeu  trennen,  erstens  in  solche
mit  weniger  als  0,5  °/ 0 ,  zweitens  in  solche  mit  mehr  als  2,5  °/ 0  Kalk,  auf  trockne  Moorsubstanz, ­
  frei  gedacht  von  zufälligen  Bestandteilen,  berechnet.  Zu  der  ersten,  der  Gruppe
der  kalkarmen  Moore,  zählen  unter  anderen  die  sog.  Hochmoore  oder  Moostorf-Heide-Moore,
  zu  der  Gruppe  der  kalkreichen  Moore  die  allgemein  als  Grünlands-  oder
Niederungsmoore  bezeichneten.  Die  zwischen  den  ausgesprochenen  Hochmooren  und
Grünlandsmooren  stehenden  Moorbildungen,  zu  denen  eine  große  Anzahl  der  süddeutschen ­
  Moore,  die  Mehrzahl  der  Gebirgsmoore,  ebenso  z.  B.  die  Moore  der  schwedischen
Provinz  Smaland  gehören,  weisen  in  der  Eegel  nicht  nur  einen  höheren  Kalk-  und  Stickstoffgehalt, ­
  sondern  auch  einen  weit  besseren  Zersetzungszustand  auf,  als  die  Moostorf'
Heide-Moore.
Für  diese  verschiedenen  Moorarten  ist  die  Art  der  landwirtschaftlichen  Nutzbarmachung ­
  eine  durchaus  verschiedene.  Die  Untersuchung  läßt  zunächst  mit  Sicherheit  erkennen, ­
  welche  Moorbodenart  vorliegt.
Folgende  Zusammenstellung  aus  einer  großen  Anzahl  von  Untersuchungen  berechneter ­
  Durchschnittszahlen,  welche  einem  Aufsatz  von  M.  Fleischer 1 )  entnommen  sind,
gibt  über  die  Zusammensetzung  der  häufiger  vorkommenden  Moorbodenarten  Aufschluß.

In  100  Teilen  Trockensubstanz  sind  enthalten:
1  cbm  frisches

Moostorf-Heide-Moore:  stl <* stoff
Io

Kall
°/o

Kalk
°/o

Phosphorsäure
°/o

Moor  enthält
Trockensubstanz

Oberfläche,  sog.  Heidehumus *  2  3 )  .  .  1,2

0,05

0,35

0.10

120  kg.

Tiefere  Schicht,  Moostorf  (jüngerer)  0,8

0.03

0,25

0,04

90  „

Graswüchsige  Moore  ....  2,5

0,10

4,00

0,25

250  „

In  der  Mitte  stehende  Moore  .  2,0

0,10

1,00

0,20

180  „

Wie  aber  schon  oben  auseinandergesetzt  wurde,  geben  die  prozentigen  Zahle 11
keine  genügende  Vorstellung  von  den  Vorräten  an  Pflanzennährstoffen  in  den  verschiedene»
Moorböden;  diese  erhält  man  erst,  wenn  man  mit  Hilfe  des  Volumgewichts  berechnet,  wie
viel  z.  B.  in  der  obersten  Schicht  von  20  cm,  welche  zunächst  für  die  Pflanze  als  Kulturschicht ­
  in  Betracht  kommt,  an  den  betreffenden  Nährstoffen  auf  1  ha  Fläche  vorhanden  ist.
Es  ergibt  sich  dann  folgendes;
Auf  1  ha  Fläche  bis  zu  20  cm  Tiefe  sind  vorhanden:

Stickstoff

Kall

Kalk

Phosphorsäure

Oberfläche,  sog.  Heidehumus  .  .

.  2880  kg

100  kg

840  kg

240  kg.

Moostorf

1450  „

54  „

450  „

72  „

Graswüchsige  Moore  ....

.  12500  „

500  „

20200  „

1250  „

In  der  Mitte  stehende  Moore  .

.  7200  „

360  „

3600  „

720  „

Zum  Vergleich  mögen  poch  die  folgenden  Angaben  dienen.
Zusammensetzung  einiger  typischen  Bodenarten  nach  Untersuchung» 11
der  Moor-Versuchs-Station: 3 )

*)  M.  Fleischer,  Unsere  Moore  und  ihre  landwirtschaftliche  Verwertung;  Mentzel
und  von  Lengerkes  landw.  Kalender  1888,  II.  T.,  31.
2 )  Darunter  wird  die  besser  zersetzte  Oberflächenschioht  verstanden,  die  durch  Vef'
Witterung  der  organischen  Substanz  und  durch  die  bodenbereichernde  Wirkung  des  Heide'
Wuchses  auf  die  Oberfläche  mit  bestimmten  Pflanzennährstoffen  angereichert  ist.
3 )  M.  Fleischer,  Mitteilungen  des  Vereins  zur  Förderung  der  Moorkultur  1111
Deutschen  Reiche  1889,  7,  205.
            
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