Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Futtermittel.

3.  Die  Stärkekörner  des  Buchweizens  (Fig.  95,  S.  323)  sind  sehr  kleine,
rundliche  oder  eckige  Körnchen  von  meist  0,004—0,006  mm  Durchmesser,  welche
oft  zu  stäbchenförmigen  Aggregaten  zusammengelagert  sind.
Von  der  ihr  ähnlichen  Reis-  und  Haferstärke  ist  die  Buchweizenstärke  durch
die  Größe  der  einzelnen  und  die  Form  der  zusammengesetzten  Stärkekörner  verschieden. ­
  Auch  besitzt  die  Buchweizenstärke  eine  Kernhöhle,  die  bei  der  Stärke
des  Reises  und  Hafers  weniger  oft  verkommt.  Reis-  und  Buchweizenmehl  erkennt
man  mit  Sicherheit  an  dem  vorhandenen  Silberhäutchen  des  ersteren  (Fig.  77  S.  313).
II.  Hülsenfrüchte.
Die  Hülsenfrüchte  unterscheiden  sich  von  den  Getreidearten  vorwiegend  durch
einen  viel  höheren  (2-  bis  3-mal  höheren)  Gehalt  an  Protein  (als  sog.  Legumin  vorwiegend ­
  dem  Globulin  angehörig);  die  einen  Vertreter  dieser  Gruppe  (Bohnen,
Erbsen,  Linsen,  Wicken)  führen  Stärke  und  sind  arm  an  Fett,  die  anderen  Vertreter
(Lupinen,  Sojabohnen)  sind  noch  proteinreicher  als  erstere,  außerdem  fettreich,  führen
aber  keine  Stärke.  Die  Samenkörner  sitzen  durchweg  in  einfächerigen,  zweiklappigen
  Hülsen,  sind  also  im  Gegensatz  zu  den  Schließfrüchten  der  Getreidearten
nackte  Samen.  Von  den  in  Deutschland  angebauten  Sorten  finden  die  Erbsen  eine
ziemlich  ausgedehnte,  die  Bohnen  (Acker-  wie  Schminkbohne)  und  die  Linsen  nur
eine  spärliche,  Wicken  und  Lupinen  gar  keine  oder  höchstens  in  Zeiten  der  Not
eine  Verwendung  zur  Mehlbereitung.  Die  Sojabohne,  die  vorwiegend  in  Japan  und
China  angebaut  wird,  erfährt  dagegen  eine  sehr  vielseitige  Verarbeitung  und  liefert
mannigfache  Abfälle, 1 )  die  bis  jetzt  aber  kaum  nach  Europa  gelangen.
Für  die  Beurteilung  der  Mahlabgänge  bei  den  Hülsenfrüchten  ist  zu  berücksichtigen, ­
  daß,  wie  bei  den  Getreidearten  die  Aleuronschicht  den  Mehlkern,  so  hier
ebenfalls  eine  proteinhaltige,  plasmatische  Schicht  den  Stärkekörper  umgibt,  daß
diese  aber  mit  den  Stärkezellen  so  fest  verwachsen  ist,  daß  sie  beim  Schälen  mit
ihnen  in  Verbindung  bleibt.  Aus  dem  Grunde  sind  auch  die  feinsten  Mehle  der
Hülsenfrüchte  reich,  die  Kleienabfälle  derselben  dagegen  arm  an  Protein,  während
es  bei  den  Getreidearten,  bei  denen  die  lose  den  Mehlkern  umschließende  Aleuronschicht ­
  abgeschält  werden  kann,  umgekehrt  ist.  Auch  lassen  sich  die  Hülsenfruchtsamen ­
  nicht  ohne  weiteres  vermahlen,  sondern  sie  müssen  erst  eingeweicht  oder  mit
Wasserdampf  gedämpft  und  dann  gedarrt  werden,  um  sie  entschälen  und  genügend
fein  mahlen  zu  können.  Auf  die  Samenschale  folgt  die  meist  farblose  Samenhaut,
welche  die  beiden  fleischigen  Keimlappen,  zwei  halbkugelförmige  Gebilde,  bedeckt,
welche  die  Stelle  des  Endosperms  bei  den  Getreidearten  vertreten,  während  von  dem
mächtig'  entwickelten  Keimnährgewebe  der  Getreidearten  bei  den  Hülsenfrüchten
kaum  bemerkbare  Reste  vorhanden  sind.
Mikroskopisch  erkennt  man  die  Hülsenfrüchte  an  den  nierenförmigen  Stärkekörnern ­
  (Erbsen,  Bohnen,  Wicken,  Linsen),  den  dickwandigen  Palissadenzellen,  den
eigentümlich  geformten  Säulenzellen,  der  Oberhaut  der  Keimlappen  und  den  getüpfelten, ­
  in  der  Nähe  der  Interzellularräume  meist  stark  verdickten  Zellen  der
Keimlappen.  In  den  zum  Zwecke  der  mikroskopischen  Untersuchung  mit  Mazerationsmitteln ­
  behandelten  Futtermitteln  erblickt  man  die  Zellen  und  Zellschichten
unter  dem  Mikroskop  in  Konglomeraten  neben-  und  übereinander  liegend.  Je  nach
ihrer  Lage  geben  sie  dann  ein  verschiedenes  Bild.  Meist  erblickt  man  sie  nicht,
wie  sie  in  Abbildimgen  gewöhnlich  dargestellt  werden,  in  der  Seitenansicht,  d.  h.
] )  Vergl.  des  Verfassers  „Chemie  der  menschl.  Nahrungs-  und  Genußmittel“,  1904,
II.  Bd,,  2.  Aufl.,  S.  562  und  ,788.
            
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