Mikroskopische Untersuchung. Rückstände von Raps- und Rühsensamen. 335
4. die 4- Ms 5-seitigen Tafel- oder Pigmentzellen (Pig. 103, 6) ein sehr
wertvolles Unterscheidungsmerkmal; sie enthalten einen dunkelbraunen Farbstoff
und erscheinen Uber oder unter den polygonalen farblosen Endospermzellen wie in
einem Netze liegend; ihre Wände sind von feinen Porenkanälen durchbohrt. Das
parenchymatische Endosperm und die Kotyledonen enthalten zahlreiche Proteinkörner
und Öltröpfchen. Stärkekörner sind nur in unreifen Samen aufzufinden.
Rückstände von Raps- und Rühsensamen.
Unter Rapskuchen (bezw. Eübkuchen) verstehen wir in Deutschland sowohl die
aus Eapssamen, Brassica Napus oleifera, und zwar die aus Winterraps, Br. hiemalis,
und Sommerraps, Br. campestris, als auch die aus Eübsensamen, Br. Eapa oleifera,
(mit ebenfalls einer Winter- und Sommerfrucht) gewonnenen Ölkuchen bezw. entfetteten
Rückstände. Aus dem Grunde hat der Verband deutscher landw. Versuchs-Stationen
folgende Vereinbarung getroffen:
Ein als „Eäpskuchen“ bezw. Eapskuehenmehl ohne Herkunftsangabe
bezeichneter Ölkuchen darf nur die Bestandteile von „Brassica
Napus“ oder von „Brassica Eapa“ enthalten.
Diese Begriffserklärung ist wichtig, weil auch unter der Bezeichnung
„Indische Rapskuchen“ Preßrückstände in den Handel kommen, die aus anderen
Ölsamen bezw. Eapsarten, nämlich Sinapis glauca Roxb., S. dichotoma Roxb. und
S. ramosa Roxb. gewonnen werden und über deren Gleichwertigkeit mit inländischem
Rapskuchen die Ansichten geteilt sind. Auch sind die Rapskuchen mit Unkrautsamen
aller Art verunreinigt.
So fand H. Heinrich in 100 kg Rapskuchen:
400 Korn
Kornrade,
Agrostemma Githago.
3680
33
Wucherblume,
Chrysanthemum segetum.
896
33
Knöterich,
Polygonum lapathifolium.
212
33
Kornblume,
Centaurea cyanus.
92
33
Weizen,
Triticum vulgare.
240
„
Sauerampfer,
Rumex aoetosa.
400
31
Melde,
Chenopodium album.
644
33
Kleeseide,
Cuscuta epithymum.
56
33
Blutkraut,
Polygonum bistorta.
124
33
Sherardia,
Sherardia arvensis.
40
33
Leinsamen,
Linum usitatissimum.
36
33
Ehrenpreis,
Veronica Chamaedris.
56
33
Wegebreit,
Plantago lanceolata.
80
33
Valerianella und
28 Korn einer Lolium-Art.
Am häufigsten finden sich Senfarten und Hederichsamen (Eaphanus
Eaphanistrum), welcher letztere vielfach absichtlich beigemengt und in letzterer
Zeit sogar für sich gepreßt als Raps-, Rübsen- oder unter dem einfachen Namen
Ölkuchen in den Handel gebracht wird. Mitunter verwendet man nur den Aus putz
von Ölsämereien nebst Kehricht und stellt daraus Preßkuchen her. Dieselben
kommen aus Süddeutschland, aus Ungarn und Rußland in den Handel und enthalten
bis 14 °/ 0 Sand neben nur wenig Eapsbestandteilen.
Wenn schon die reinen Raps- und Eübkuchen an sich wegen des Senfölgehaltes
einen scharfen Geschmack haben, so ist dieses um so mehr bei etwaigem
Gehalt an Sinapisarten der Fall — über die Bestimmung des Senföles vergl. S. 269 —.
Diese Art Rückstände bewirken bald Durchfall, Verkalkung, usw., bald verleihen sie
der Milch einen scharfen Geschmack usw. Der häufig beigemengte Unkrautsamen des
Pfennigkrautes soll der Milch einen Knoblauchgeschmaok verleihen. Eine andere