Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

458

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

leicht  gelingt.  Da  das  spezifische  Gewicht  durch  höhere  Temperatur  verringert,  durch
niedrigere  erhöht  wird,  so  muß  die  Temperatur  bei  der  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes ­
  der  Ätherfettlösung  berücksichtigt  werden.  Man  liest  deshalb  kurz  vor  oder  nach
der  Aräometer-Ablesung  die  Temperatur  der  Flüssigkeit  an  dem  Thermometer  im  Schwimmkörper ­
  auf  1 / ]0 °  ab.  War  die  Temperatur  genau  17,5°,  so  ist  die  Angabe  des  Aräometers
ohne  weiteres  richtig,  im  anderen  Falle  hat  man  das  abgelesene  spezifische  Gewicht  auf
die  Temperatur  von  17,5°  zu  reduzieren;  man  zählt  für  jeden  Grad,  den  das  Thermometer
mehr  zeigt  als  17,6°,  einen  Grad  zum  abgelesenen  Aräometerstand  hinzu  und  zieht  für
jeden  Grad,  den  es  weniger  zeigt  als  17,5°,  einen  Grad  von  demselben  ab.  Aus  dem  für
17,5°  gefundenen  spezifischen  Gewicht  ergibt  sich  direkt  der  Fettgehalt  in  Gewichtsprozenten ­
  aus  der  Tabelle  XII  a  No.  1  im  Anhang.
Um  nach  Beendigung  einer  Untersuchung  den  Apparat  für  die  folgende  Bestimmung
instand  zu  setzen,  lichtet  man  den  Kork  der  Schtittelflasche  und  läßt  die  Fettlösung  in
dieselbe  zurückfließen.  Hierauf  gießt  man  das  Aräometerrohr  B  voll  mit  gewöhnlichem
Äther  und  läßt  auch  diesen  abfließen.  Treibt  man  mittels  des  Blasebalgs  einen  kräftigen
Luftstrom  durch  den  ganzen  Apparat,  so  erhält  man  denselben  rasch  rein  und  trocken.
Ursprünglich  war  dieses  aräometrische  Fettbestimmungsverfahren,  das  nach  zahlreichen ­
  vergleichenden  Untersuchungen  mit  den  gewichtsanalytischen  gut  übereinstimmende
Ergebnisse  liefert,  nur  für  ganze  oder  Vollmilch  brauchbar;  bei  Magermilch  oder  abgerahmter ­
  Milch  von  etwa  1  °/ 0  Fettgehalt  bildet  sich  beim  Schütteln  mit  der  vorgeschriebenen ­
  Menge  Kalilauge  und  Äther  eine  dicke,  gallertartige  Masse,  so  daß  sich
nach  tagelangem  Stehen  keine  Spur  einer  Ätherfettschicht  absetzt.  Um  auch  für  diese
Fälle  das  Verfahren  anwenden  zu  können,  bedient  sich  Fr.  Soxhlet  einer  geringen
Menge  Seifenlösung.
Von  einer  Seifenlösung,  am  besten  stearinsaurem  Kalium  —  dasselbe  wird  bereitet,
indem  man  16  g  von  der  Masse  einer  Stearinkerze  mit  25  ccm  Alkohol  und  10  ccm  der
für  die  Ausführung  der  Bestimmung  vorrätigen  Kalilauge  von  1,27  spezifischem  Gewicht
einige  Minuten  im  Wasserbade  erhitzt,  bis  alles  klar  gelöst  ist,  und  auf  100  com  auffüllt
—  setzt  man  der  in  der  Schüttelflasche  eingemessenen  Milch  0,4—0,5  ccm  =  20—25  Tropfen
zu,  schüttelt  gut  durch  und  verfährt  sonst  genau,  wie  für  ganze  Milch  vorgeschrieben  ist.
Es  ist  natürlich  bei  Magermilch  ein  besonderes  Aräometer  für  niedrigere  spezifische
Gewichte  erforderlich.  Die  Korrekturen  für  Temperatur  über  oder  unter  17,5°  sind  die
gleichen  wie  bei  der  ganzen  Milch.
Für  die  Ablesungen  des  prozentigen  Fettgehaltes  aus  dem  spezifischen  Gewicht
ist  ebenfalls  eine  besondere  Tabelle  entworfen.  (Siehe  Anhang  unter  Hilfstabellen  No.  XII  a
No.  2.)
Anmerkungen:  Von  einigen  Seiten,  so  von  J.  Skaiweit')  und  J.  Klein 2 )  ist
behauptet,  daß  das  Soxhletsche  Verfahren  der  Revision  bedürftig  sei,  weil  das  gewichtsanalytische ­
  Verfahren  (nach  Adams)  mehr  ergeben  habe.  Nach  Soeldners  Untersuchungen 3 )
indes  sind  diese  Differenzen  nicht  vorhanden.  Sollte  trotzdem  die  Behauptung  Kleins
richtig  sein,  so  würde  damit  das  Soxhletsche  Verfahren  nicht  hinfällig,  sondern  nur  die
Tabellen  einer  Abänderung  bedürftig  sein.  J.  Klein  findet  auch,  daß  transportierte  Milch
nach  Soxhlets  Verfahren  stets  etwas  mehr  Fett  liefert,  als  die  Milch  vor  dem  Versand.
Wird  ferner  die  Ätherfettlösung  erst  nach  einigen  Tagen  abgespindelt,  so  pflegt  —  wahrscheinlich ­
  infolge  von  Seifenbildung  —  ebenfalls  etwas  mehr  Fett  gefunden  zu  werden.
Cronander 4 )  hat  das  Soxhletsche  Verfahren  dahin  abgeändert,  daß  er  nicht  das  spezifische
Gewicht  der  Ätherfettlösung  bestimmt,  sondern  nach  Abheben  und  Verdunsten  des  Äthers
das  rückständige  Fett  in  einer  graduierten  Röhre  mißt.  —  H.  Timpe 5 )  will  durch  Verdünnen ­
  von  50  com  Milch  mit  60  ccm  Wasser  einige  Vorteile  erzielen.
')  Repert.  f.  analyt.  Chemie  1887,  383.
2 )  Milch-Ztg.  1888,  17,  813  und  904.
3 )  Ebenda  1888,  17,  802  und  865.
4 )  Vergl.  Swen  Müller  in  Milch-Ztg.  1886,  15,  161.
6 )  Chem.-Zeitung  1894,  18,  392.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.