Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

812

Trinkwasser.

veilchenblau  fluoreszieren,  so  muß  die  Farbenerscheinung  im  (lurchfallenden  Licht
betrachtet  werden.
Die  Reaktion  beruht  darauf,  daß  die  Naphthionsäure  durch  die  salpetrige  Säure  in
Diazonaphthalinsulfosäure  verwandelt  wird,  welche  mit  ^-Naphthol  und  Ammoniak  einen
roten  Azofarbstoff  bildet.  Die  salpetrige  Säure  soll  sich  noch  in  einer  Verdünnung  von  1:100
Millionen  Wasser  nachweisen  lassen.
Ist  auf  diese  Weise  salpetrige  Säure  in  einem  Wasser  qualitativ  nachgewiesen,
so  empfiehlt  sich:
b)  Die  quantitative  Bestimmung  derselben.  Diese  kann  am  einfachsten
a)  auf  kolorimetrischem  Wege  erfolgen,  und  habe  ich  für  den  Zweck  ebenfalls ­
  ein  Kolorimeter  hergestellt,  welches  in  derselben  Weise  wie  das  für  die  kolorimetrische
  Bestimmung  von  Ammoniak  (S.  809)  eingerichtet  ist.
Zur  Feststellung  der  Farbentöne  ist  Zinkjodidstärkelösung 1 )  (genau  nach
der  Vorschrift  No.  24  unter  Darstellung  der  Lösungen  am  Schluß  hergestellt)  unter
Zusatz  von  verdünnter  Schwefelsäure  (1  :  3)  verwendet.
Die  Farbentöne  auf  dem  Kolorimeter  sind  in  folgender  Weise  gewonnen  und
gehen  folgenden  Gehalt  an:

Nitritlösnng *  2 )

Gehalt  an

Zusatz

von

auf  je  100  ccm

salpetriger

Dauer

ton

destill.  Wasser

Säure

Zinkjodidstärke-Schwefel-



  Beobachtung

verdünnt

(N 2 O s )

lösung

säure  1:3

i

1,5  ccm

0,015

2  ccm

3  ccm

bis  zu

6—6  Min.

2

2,5  „

0,025

2  „

3  „

55  55

2—3  „

3

5,0  „

0,050

3  „

2  „

55  55

2  „

4

10,0  „

0,100

3

1  „

55  55

2

5

15,0  „

0,150

3  „

1  „

55  55

1  „

6

20,0  „

0,200

3

1  „

unter

1  „

*)  Die  kolorimetrisohe  Bestimmung  der  salpetrigen  Säure  kann  auch  nach  dem  Verfahren ­
  von  Preuße  und  Tiemann  mit  Metaphenylendiamin  ausgeführt  werden,  und
dieses  Verfahren  hat  den  Vorzug,  daß  die  organischen  Stoffe  hierauf  weniger  nachteilig
einwirken.  Die  durch  dieses  Reagens  bewirkten  gelben  Farbentöne  sind  aber  für  das  Auge
nicht  so  unterschiedlich  wie  die  durch  Zinkjodidstärkelösung  bewirkten  blauen  Farbentöne.
Aus  dem  Grunde  habe  ich  einstweilen  davon  Abstand  genommen,  hierfür  eine  Skala  nachbilden ­
  zu  lassen.
Das  von  B.  Riegler  vorstehend  empfohlene  Naphthol-Reagens  ist  für  den  Zweck
vielleicht  zu  empfindlich.
2 )  Als  Lösung  für  salpetrige  Säure  wird  Silbernitrit  angewendet,  welches  in  der
Weise  (vergl.  Walter-Gärtner  1.  c.  S.  401)  hergestellt  wird,  daß  man  eine  konzentrierte
Lösung  von  Kaliumnitrit  mit  Silberlösung  versetzt,  das  ausgefällte  Silbernitrit  abfiltriert
und  auf  dem  Filter  mit  wenig  kaltem,  destilliertem  Wasser  nachwäsoht,  das  Silbernitrit
dann  durch  möglichst  wenig  kochendes  Wasser  löst  und  auskristallisiereu  läßt.  Die
Mutterlauge  wird  abgegossen,  die  Kristalle  von  Silbernitrit  zwischen  Fließpapier  ausgepreßt ­
  und  getrocknet.  Das  Silbernitrit  kristallisiert  sehr  leicht,  hat  eine  bestimmte
Zusammensetzung,  die  beständig  ist,  und  verdient  deshalb  vor  dem  käuflichen  Kaliumnitrit
den  Vorzug,  weil  letzteres  von  sehr  schwankender  Zusammensetzung  ist  und  der  Gehalt  der
Lösung  daher  stets  durch  Titration  mit  Permanganatlösung  festgestellt  werden  muß.
0,406  g  des  so  dargestellten  reinen,  trocknen  Silbernitrits  werden  in  einem  Liter-Kolben
  mit  heißem  Wasser  gelöst,  durch  eine  reine  Kalium-  oder  Natriumchloridlösung
zersetzt,  die  Flüssigkeit  nach  dem  Erkalten,  ohne  zu  filtrieren,  mit  destilliertem  Wasser
zu  1  1  aufgefüllt  und  nach  dem  Durchmischen  beiseite  gestellt,  bis  sich  der  Niederschlag
von  Chlorsilber  abgesetzt  hat.  Von  der  überstehenden  klaren  Flüssigkeit  werden  100  ccm
abpipettiert,  zu  1  1  verdünnt  und  diese  Lösung  nach  dem  Durchmischen  zu  den  Versuchen
verwendet.  1  ccm  derselben  enthält  0,01  mg  salpetrige  Säure  (N 2 0 3 ).
            
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