Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Verunreinigung  der  Gewässer,  deren  Schädlichkeit  und  Nach  Weisung.

3.  Aus  größeren  Gewässern  wird  zweckmäßig  noch  eine  dritte  Probe  entnommen, ­
  welche  mit  Hilfe  eines  feinmaschigen  Gazenetzchens  (nötigenfalls  Planktounetz)
  zu  gewinnen  ist.  Das  Netzchen  ist  wiederholt  (5—10-mal)  zum  Zwecke  des
Fanges  der  Tiere  langsam  durch  das  Wasser  zu  ziehen  und  sein  Inhalt  in  ein  Glas
mit  weiter  Öffnung  überzuspülen.
h)  Die  Schädlichkeit  eines  Wassers  für  die  Fischzucht  kann  ferner  festgestellt
werden  durch  Untersuchung  der  Fische,  sei  es,  daß  sie  gerade  verendet  oder
noch  lebend  für  den  Zweck  gefangen  wurden,  wenn  es  sich  um  Verunreinigungen
mit  Kupfer,  Zink,  Blei,  Arsen,  Farbstoff  usw.  handelt.  Man  verfährt  hierbei  in  der
Weise,  daß  man  die  Fische  bezw.  die  Eingeweide  und  das  Fleisch  getrennt  wie  bei
einer  Leichenuntersuchung  auf  den  fraglichen  schädlichen  Bestandteil  untersucht.
c)  Durch  Untersuchung  des  Wassers  und  direkte  Versuche  über
seine  Schädlichkeit  für  Fische.  Dieser  Weg  ist  besonders  dann  einzuschlagen, ­
  wenn  mehrere  und  verschiedenartige  Abwässer  an  der  Verunreinigung
beteiligt  sind  oder  wenn  die  Bestandteile  des  Abwassers  je  nach  Jahreszeit  und
Witterung  sich  verändern.  So  wirken  Abwässer  mit  organischen  Schwebestoffen, ­
  z.  B.  solche  mit  Küchenabfällen,  aus  Ortschaften  usw.,  solange  sie  frisch
sind, 1 )  nicht  schädlich,  sondern  erst  nachdem  sie  in  Fäulnis  übergegangen  sind,
wodurch  in  dem  Wasser  der  Sauerstoffgehalt  vermindert  wird  und  Schwefelwasserstoff, ­
  Ammoniak,  Ptomaine  usw.  gebildet  werden.
Die  bisherigen  Versuche  Uber  die  Schädlichkeit  verschiedener  Bestandteile  der
Schmutzwässer  für  Fische  sind  meist,  besonders  diejenigen  von  C.  Weigelt, 1  2 )  in
der  Weise  angestellt,  daß  die  Fische  aus  einem  kleinen  Behälter  mit  gesundem
Wasser  in  einen  solchen  mit  verunreinigtem  Wasser  gebracht  und  dann  die  Wirkung
des  letzteren  beobachtet  wurde.  Die  so  erhaltenen  Ergebnisse  sind,  wie  Weigelt
selbst  sagt,  nur  in  den  seltensten  Fällen  auf  die  natürlichen  Verhältnisse  übertragbar, ­
  da  schon  die  plötzliche  Veränderung  des  Aufenthaltes  und  des  Wassers  nachteilig ­
  auf  die  Fische  gewirkt  haben  kann,  während  die  Einwirkung  in  der  Natur
sich  allmählich  vollzieht  und  der  Fisch  einer  freieren  Bewegung  fähig  ist.  Deshalb
führten  wir 3 )  die  Versuche  in  der  Weise  aus,  daß  die  einzelnen  Fische  (Karpfen,
Schleien,  Goldorfen  und  Forellen  u.  a.)  aus  einem  größeren  gemeinschaftlichen  Behälter ­
  in  kleinere  Behälter  gebracht  werden,  die  mit  demselben  Wasser  gefüllt  sind
wie  der  große  Behälter,  und  hier  erst  die  Fische  einen  Tag  ohne  Änderung  der
Verhältnisse  bleiben;  dann  erst  wird  das  Wasser  verändert,  indem  letzteres  durch
Leitungswasser,  welchem  der  betreffende  schädliche  Bestandteil  in  einem  Glasballon
zugesetzt  worden  ist,  allmählich  verdrängt  und  ersetzt  wird.  Wenn  auch  durch
diese  Versuchsanstellung  den  natürlichen  Verhältnissen  besser  entsprechende  Versuchsbedingungen ­
  geschaffen  werden,  so  muß  doch  betont  werden,  daß  nicht  nur
die  einzelnen  Fischarten,  sondern  auch  die  einzelnen  Fische  derselben  Art  je  nach
Körpergewicht  und  Alter  sich  gegen  einen  Schädling  sehr  verschieden  verhalten
können,  daß  daher  auch  die  bei  diesen  Versuchen  gefundene  Schädlichkeitsgrenze
keine  für  jeden  und  alle  Fälle  zutreffende  Gültigkeit  hat,  sondern  nur  allgemeine
Anhaltspunkte  liefern  kann.  Man  wird  deshalb  unter  Umständen  selbst  direkte
Versuche  mit  den  in  Frage  kommenden  Stoffen  anstellen  müssen,  wobei  auch  noch
1 )  Manche  Fische  halten  sich  z.  B.  mit  Vorliebe  an  solchen  Stellen  in  Flüssen  auf,
wo  sich  Abfälle  dieser  Art  in  frischem  Zustande  in  dieselben  ergießen;  auch  verzehren  sie
mit  Vorliebe  frischen  Menschen-Kot.
2 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1879,  28,  321,  und  Archiv  für  Hygiene  1885,  3,  70.
s )  Landw,  Jahrb.  1897,  26,  75.
            
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