Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Nachweis  der  Beschädigungen  durch  saure  Rauchgase.

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Es  kann  daher  unter  Umständen  die  Bestimmung  der  Gesamtasche  und
der  Kohlensäure  in  letzterer  mit  als  Anhaltspunkt  dienen,  ob  eine  Säureheschädigung
vorliegt.
Für  die  Bestimmung  der  Asche  verfährt  man  nach  S.  194.  Man  äschert  10g
der  feingepulverten  Substanz  ein  und  erhitzt  so  lange,  bis  die  Asche  weiß  gebrannt
ist.  Alsdann  wird  die  Asche  mit  kohlensaurem  Ammon  durchfeuchtet,  zur  Trockne
verdampft,  der  Rückstand  gelinde  erwärmt,  bis  alles  kohlensaure  Ammon  verjagt
ist,  nach  dem  Erkalten  gewogen  und  in  der  Asche  in  irgend  einem  Kohlensäure-Bestimmungsapparat
  entweder  indirekt  aus  dem  Gewichtsverlust  oder  auch  direkt
durch  Auffangen  in  Kalilauge  (S.  15,  4  /S)  die  Kohlensäure  bestimmt.
Die  salzsaure  Flüssigkeit  dient  dann  nach  S.  200  weiter  zur  Bestimmung  des
Sandes  (und  nötigenfalls  der  Kohle).
Es  trifft  aber  nicht  immer  zu,  daß  die  solcherweise  durch  Säuren  beschädigten ­
  Blätter  bezw.  Nadeln  mehr  Asche  und  weniger  Kohlensäure  in  letzterer
enthalten 1 );  man  kann  daher  im  Falle  des  Nichtzutreffens  nicht  schließen,  daß
keine  Säure-  bezw.  Rauchbeschädigung  stattgefunden  hat.  Wenn  nämlich  die  Beschädigung ­
  schon  tief  eingegriffen  hat  und  das  Wachstum  des  Baumes  bezw.  der
Pflanze  längere  Zeit  stark  gestört  worden  ist,  so  wird  die  Pflanze  nicht  mehr  imstande ­
  sein,  das  Mißverhältnis  zwischen  Basen  und  Säuren  in  den  Blättern  bezw.
Nadeln  auszugleichen.
Man  kann  auch  einwenden,  daß  die  erhöhte  Menge  Asche  und  Schwefelsäure
durch  eine  Mehraufnahme  von  Alkali-  und  Erdalkalisulfaten  bedingt  worden  ist.
Es  wird  aber  bei  wirklichen  Säurebeschädigungen  sich  immer  herausstellen,
daß  der  Mehrgehalt  an  Schwefelsäure  gegenüber  „gesunden“  Pflanzen  auch  in
Prozenten  der  Asche  bestehen  bleibt.
d)  Botanisch-mikroskopische  Untersuchung.  Dieselbe  kann  die  chemische ­
  Untersuchung  unterstützen  und  hat  den  Vorzug,  daß  sie  sich  verhältnismäßig
schnell  ausführen  läßt.  Nach  Haselhoff  und  Lindau  (1.  c.  S.  391)  soll  man  einen
Querschnitt  durch  die  Flecken  der  in  Alkohol  aufbewahrten  (oder  halbtrocknen)
Blätter  bezw.  Nadelspitzen  machen  und  daran  leicht  beobachten  können,  wie  sich  die
Inhaltsstoffe  der  Zellen  verändert  haben.  Man  muß  dabei  in  erster  Linie  auf  die
Chlorophyllkörner  und  ihre  Auflösungserzeugnisse,  sowie  auf  die  braunen  Massen
des  Gerbstoffes  in  den  Zellen  achten  (vergl.  S.  898).  Der  Nachweis  der  letzteren
ist  durch  Eisensalze,  Kaliumbichromat  oder  Chloralhydrat  leicht  zu  führen.  Nur
selten  —  etwa  bei  Niederschlägen  in  den  Epidermiszellen  —  wird  es  notwendig
sein,  auch  Flächenschnitte  mit  heranzuziehen.  Auf  alle  Fälle  müssen  Schnitte  von
Blättern  bezw.  Nadeln  von  wirklich  gesunden  Bäumen  bezw.  Pflanzen  in  gleichem
Entwickelungszustande  zum  Vergleich  herangezogen  werden  und  werden  gleichzeitig
angefertigte  Zeichnungen  die  Verhältnisse  am  deutlichsten  zur  Anschauung  bringen.
A.  Wieler  (1.  c.  S.  81)  gibt  an,  daß  sich  alle  Membranen  des  Mesophylls  mit
Methylenblaulösung  bei  gesunden  wie  bei  den  durch  schweflige  Säure  geschädigten
Laubholzblättern  blau  färben,  bei  letzteren  aber  viel  langsamer,  und  dann  einen
grünlichen  Ton  annehmen.  Wenn  die  gefärbten  Präparate  mit  Glyzerin  gewaschen
werden,  so  werden  die  Membranen  der  lebenden  Mesophyllzellen  wieder  farblos,
während  in  den  getöteten  Zellen  der  grüne  Farbenton  der  Membranen,  ebenso  wie
in  den  verholzten  Membranen  der  Gefäßbündel,  erhalten  bleibt.
Die  schädliche  Wirkung  der  schwefligen  Säure  beginnt  bei  einer  dauernden
Einwirkung  mit  1 /i 0 ooooo  schwefliger  Säure  in  der  Luft;  bei  einer  Verdünnung  von
B  Vergl.  E.  Fricke,  Landw.  Versuchs-Stationen  1887,  34,  277.
Landwirtschaftliclie  Stoffe,  3.  Auflage.

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