Nachweis der Beschädigungen durch saure Rauchgase.
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öltropfen statt. Der kontrahierte Zellsaft wird infolge der Ausscheidung von Gerb
stoff braun bis schwarzbraun gefärbt“. In gleicher Weise wirken nach P. Sorauer 1 )
die Dämpfe von Holzimprägnieranstalten und nach R. Junger’ * 2 ) solche von
Zaunpfählen, die mit Karbolineum bestrichen sind.
Nicht selten kommt auch eine Beschädigung von Bäumen und Sträuchern
durch Leuchtgas vor, aber nicht von den Blättern, sondern von den Wurzeln aus,
wenn die Leitungsrohre, wie häufig, undicht werden. Eine Beschädigung der ober
irdischen Teile kann wohl nur bei Zimmerpflanzen auftreten, und dann auch wohl
seltener durch das Leuchtgas selbst als durch die Verbrennungserzeugnisse (vor
wiegend schweflige Säure und Schwefelsäure). Die durch Leuchtgas beschädigten
Wurzeln sind nach Haselhoff und Lindau (1. c. S. 32) im Innern häufig bläu
lich gefärbt. Da die Stärke der Färbung von der Mitte nach der Peripherie hin
abnimmt, so schließt L. Kny 3 ) daraus, daß das Gas in gelöstem Zustande mit dem
Bodenwasser von den Wurzelspitzen aufgenommen wird. C. Wehner 4 * ) fand aber
auch bei durch Leuchtgas abgestorbenen Ulmen ungefärbte Wurzeln, so daß die
Frage nach der Aufnahme des Gases noch einer weiteren Aufklärung bedarf.
Der bei der Leuchtgasfabrikation, bei Teerschwefelereien, Kokereien, bei der
Verarbeitung von Sodarückständen auftretende Schwefelwasserstoff wirkt nach
den Versuchen von Turner und Christen 6 ) in einer Menge von 0,43 Volumprozent
in der Luft noch nicht schädlich; ein Gehalt von 5,33 Volumprozent hatte nach
12 Stunden keine Schädigung, nach 24 Stunden dagegen eine vollständige Er
schlaffung der Blätter und Stengel hervorgerufen, ohne daß sich die Pflanzen in
reiner Luft wieder erholen konnten. Auch H. Steffeck 6 ) beobachtete durch Ab
gase von Kokslagern mit deutlich durch den Geruch erkennbaren und durch Schwärzung
von Bleipapier nachweisbaren Mengen Schwefelwasserstoff ein Welkwerden der
Blätter oder eine Beeinträchtigung des Wachstums von Gartengewächsen aller Art.
Die geschädigten Blätter erscheinen anfänglich braun und später mehr oder weniger
vollständig geschwärzt. Uber die Schädlichkeit noch sonstiger seltenen Rauchgase
und Dämpfe, sowie über in dieses Gebiet einschlägige Fragen vergl. die eingehenden
Schriften von E. Haselhoff und G. Lindau: Die Beschädigung der Vegetation durch
Rauch, Berlin 1903, sowie A. Wieler, Untersuchungen über die Einwirkung der
schwefligen Säure auf die Pflanzen, Berlin 1906.
IV. Untersuchung des Bodens.
Wie oben bemerkt, empfiehlt es sich, den Boden, der an denselben Stellen
wie die Pflanzen entnommen wurde, ebenfalls auf die Bestandteile, welche in den
Blättern und Nadeln bestimmt wurden, also z. B. Schwefelsäure oder Chlor usw., zu
untersuchen, um zu ermitteln, ob der mit kranken Pflanzen bestandene Boden ent
sprechend mehr als der mit gesunden Pflanzen bestandene Boden an den fraglichen
Bestandteilen enthält.
Die Bestimmung der Schwefelsäure hezw. des Chlors im Boden geschieht
unter Anwendung von 50—100 g nach S. 29 hezw. nach S. 39, die der Metalle
nach S. 42 bezw. 203; arsenige Säure wird in 500—1000 g Boden nach S. 169
bestimmt.
4 ) Arbeiten d. Deutschen Landw.-Gesellschaft 1900, 50, 110, 189.
2 ) Ebenda 1901, 60, 128.
3 ) Botan. Ztg. 1871, 29, 862, 867.
4 ) Zeitsohr. f. Pflanzenkrankheiten 1900, 11, 267.
5 ) E. Wolff, Die chem. Forschungen a. d. Gebiete d. Agrikulturchemie 1847, 475.
°) Arbeiten d. Deutschen Landw.-Gesellschaft 1896, 24, 27.